Wenk bekam schlechte Nachrichten über das Befinden Karstens. Er hatte, da er sich scheinbar sofort energisch zur Wehr gesetzt hatte, wohl von einer zweiten Person Hiebe mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf bekommen, die die Schädeldecke gesprengt hatten. Er gewann das Bewußtsein immer noch nicht wieder und war seit der Tat in einem überfeinen Zustand, der sich nicht nach der einen und nicht nach der andern Seite zu lösen vermochte.
An eine Aussprache mit ihm, sagten die Ärzte, sei in zwei, drei Wochen nicht zu denken, selbst wenn er durchkommen sollte.
Der Carozza gegenüber, über die er, wie sein Ruf, sie zu verhaften bewies, etwas hätte aussagen können, was ihre Anteilnahme an dem Verbrechen genauer bestimmt hätte, mußte sich Wenk mit dem Unternehmen der Gräfin begnügen. Heute war Montag, und um vier Uhr erfuhr er auf alle Fälle, ob etwas von der Carozza an Klärung zu erwarten war oder nicht.
Wenk verließ sein Haus an diesem Tag nicht. Die zwei Pole, zwischen denen er seine Kräfte sammelte, waren persönlich nicht erreichbar für ihn: der eine war das Frauengefängnis, der andere, wichtigere wohl war Konstanz. Von dort wurde er öfter angerufen. Dieser Poldringer durfte keinen Augenblick aus dem Apparat herausspringen.
Da er all die Stunden zu Hause verbringen und viel warten mußte, ging er in einer erregten Ungeduld hin und her und öfter ans Fenster.
Da fiel ihm schließlich ein Mann auf. Er hatte ihn um acht Uhr in der Frühe zum erstenmal gesehen. Dann vielleicht eine halbe Stunde später nochmals. Darauf nicht mehr. Aber auf einmal wieder. Der Mann ging immer rasch an seinem Hause vorbei, wenn er ihn sah, oder er stand ferner an einer Ecke.
Hatte dieser Mann die Aufgabe, ihn zu überwachen? Wenk wollte die Probe machen.
Er bat einen Beamten der Geheimpolizei, sich so zu maskieren, daß jemand, der ihn nur flüchtig sah, ihn für den Staatsanwalt selber halten konnte. Dann holte der Chauffeur das Auto zu Wenks Wohnung, wo der Maskierte wartete, und der Verkleidete begab sich hinab in einem Augenblick, wo der Unbekannte wieder an einer Straßenecke sichtbar wurde. Der Geheimpolizist stürzte rasch das kurze Stück von der Haustür auf den Wagen zu, drückte sich in eine Ecke, und das Auto sauste davon. Diesen einfachen Trick will ich mir merken, dachte sich Wenk.
Der Fernsprecher rief: Konstanz dringend kommt!
„Der Beobachtete hat 3 Uhr 16 die Burschen, mit denen er zusammen saß, zum Bahnhof gebracht. Um 3 Uhr 36 fährt der Schnellzug nach Offenburg. Es ist ungewiß, wer von der Gesellschaft mit verreist. Die einen haben Handtaschen, die andern haben keine. Vor allem ist es ungewiß, ob der Beobachtete selber mitfährt. Ein anderer hat sieben Karten gelöst, nach Offenburg. Sie sind aber mit dem Beobachteten zu acht. Einer darunter sieht anders aus und wurde hier noch nicht gesehen. Es ist möglich, daß er der Führer der Burschen wird und in französischem Dienst steht. Was sollen wir tun?“