„Bitte!“ sagte der Staatsanwalt. „Verübeln Sie mir nicht ... ich habe einen eiligen amtlichen Ausgang vor.“

„Einen Augenblick nur,“ antwortete der andere. „Mein Name ist Hull. Ich bin der Vater!“

Wenk verbeugte sich und ließ den Herrn herein. Er führte ihn in sein Arbeitszimmer.

„Herr von Wenk, man hat mir gesagt, Sie führten die Untersuchung. Edgar war mein einziger Sohn. Ich habe ihn schlecht erzogen. Mein Leben war meine Arbeit. Meine Fabriken waren groß. Meine Frau starb früh. Es ist vielen Söhnen unserer Zeit so gegangen.“ Er sprach mit einer graden Stimme, fast rauh. „Das nimmt meine Schuld nicht von mir. Unsere Söhne waren unser Luxus, unsere Arbeit war unsere Pflicht. Besser, wir hätten es umgekehrt gehalten. Sein Leben kann ich nicht zurückverlangen. Was ich von anderer Seite über die näheren Umstände erfahren, genügt mir. Ich will nicht mehr wissen. Ich habe mir erlaubt, wegen anderm zu kommen. Mein Sohn bekam zehntausend Mark monatlicher Rente von mir. Ich habe aus dem ganzen Unglücksfall nur den einzigen Wunsch übrigbehalten, diese zehntausend Mark monatlich so weiterzugeben, als sei er noch da. Ich will weitere zehntausend dazu legen. Das Geld soll dienen, etwas zu schaffen, was die Menschen gut machen hilft. Und was bleibt. Herr von Wenk, können Sie mir raten?“

Wenk antwortete zögernd: „Ich muß Ihnen ... gestehen ... zuerst ... Herr Hull, Sie machen mich betroffen!“

Wenk war von der Haltung des Vaters tief erregt. Gebändigte Menschenkraft, erwürgter Vaterschmerz, unbesiegbare Menschlichkeit ... alles, was da so unvermutet vor ihn hingetreten war, machte ihn im ersten Augenblick vor Bewegung und Anteilnahme unsicher. „Ja, ich weiß nicht ... Herr Hull ... weshalb wenden Sie sich gerade an mich?“

„Das kann ich Ihnen genau sagen, Herr Staatsanwalt. Sie haben die Pflicht, die Mörder zu vernichten. Ich möchte das, was Sie an Schlechtem aus unserer Heimat zu entfernen haben, durch etwas Gutes ersetzen. Das Andenken meines Sohnes soll fruchtbar werden. Von seinem Leben habe ich nichts gehabt. Sein Tod soll mir nun etwas geben, was ich mit in die Ewigkeit nehme.“ Seine Stimme blieb fest bis zum letzten Wort.

„Sie haben es eilig. Vielleicht ist es gerade dieser Unglücksfall, der Sie verhindert, mir mehr Zeit zu widmen?“

„Allerdings,“ sagte Wenk.

„Kann ich Sie morgen oder an einem andern Tag in Ruhe sprechen? Wenn Sie frei sind?“