Etwas in ihrem Gewissen lehnte sich dagegen auf, daß es ihr gut gehen sollte, wo ihrem Mann doch ein Unglück zugestoßen war und ihr selbst, wer weiß was, widerfuhr.

Sie fragte trotzig: „Nun also, was wollen Sie von mir?“

Aber der Mann schaute sie nur hart und ruhig an, und ihr war, ihre Frage schwömme klein und verächtlich auf einem großen Meer davon. Das Meer aber war die Brust dieses Mannes. Es gab innen und außen keine kraftvollere Brust. Diese Brust war ein Idol ihrer heimlichsten, ihrer eingeschlossensten Wünsche gewesen. Sich hineinbetten ... hineinbetten ... wie in das Dschungel ...

Da sagte der Mann, nachdem er sie so eine Weile angeschaut hatte, mit einer gewaltsam erfüllten Ruhe: „Das Geschlecht der Menschen ist zu verächtlich geringherzig, als daß seine Männer und Frauen der einen Kraft fähig wären, die die Schöpfung sonst in den Unterschied der Geschlechter gelegt hat: einmal sehen, wissen, und eins gehört dem andern so ganz wie der Tag dem Licht!“

„Das will sagen,“ fragte die Gräfin zaghaft, „Sie lieben mich? Deshalb ... bin ich hier!“

„Ich begehre Sie. Das ist mehr als Liebe — für mich! Sie sind hier, weil es meinem Begehren keinen Widerstand gibt. Sie können eine Königin werden. In dieser Brust und in Eitopomar in Südbrasilien. Eine Königin über Urwälder, wilde Tiere, zahme und wilde Menschen, Täler, Felsen und Fernen. Wer kann in dieser verächtlichen Gegend Ihnen mehr geben?“

„Niemand!“ sagte die Gräfin, traumhaft vom Geheimnis umfangen, das so rasch das doppelte Spiel in ihr begonnen hatte.

„Sie haben sich also entschlossen, freiwillig zu bleiben?“ fragte Mabuse.

Die Gräfin fiel wieder zu ihrer Lage zurück. Sie wich von dem Mann, und wie Schutz suchend stellte sie sich hinter die Ottomane. Sie preßte die Lippen aufeinander. Aber in ihrem Schweigen wühlte in zerrender Qual das Doppelte, daß sie fort wollte und dennoch irgendwoher das Verlangen trug, zu bleiben und zu gehorchen.

Er sagte: „Wenn es das gäbe: Ein Mann und eine Frau sehen sich zum erstenmal, und in dem ersten Blick, den sie tauschen, sagen sie sich: Jetzt gibt es nichts mehr in mir von dem, was ich war. Jetzt ist alles wie ein tönernes Gestell zerschlagen, und nur du ... du bestehst. Undenkbar ist auch nur ein Blutschlag, der nicht durch alles, was ich bin, dir gehört. Es ist, als ob die Jahrzehntausende des Bestehens der Geschlechter in diese zwei Wesen auf einmal alle ihre Kraft geschleudert hätten, mit der die Menschen in so dreckiger Sparsamkeit und mit so kupplerischen Bremsen umgehen. Welch ein Geäse ist der Mensch! Aber das andere wäre Ebenbild Gottes und Schöpfung!“