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Am nächsten Morgen rief der Fernsprecher Wenk aus dem Schlaf. „Hier Straßenwalze!“ hörte er. Er erwachte sofort.
„Ich höre, bitte!“
„Gestern nacht um zwei Uhr kam ein Auto, blieb unmittelbar vor unserem Wagen halten und fuhr dann weiter. Da es ohne Licht fuhr, folgte auf meinen Befehl Schmied mit dem Rad. Er fand es eine Viertelstunde weiter an der Landstraße verlassen. Er kam sofort zur Meldung zurück. Ich schlich mich in den Garten der Villa. Aber der Hund schlug an. Da ging ich außen herum ans Ufer. Ich sah einen Mann vom See her in den Garten und ins Haus gehen. Als Schmied und ich dann zum Auto zurückgehen wollten, war es nicht mehr da. Heute morgen nichts Auffallendes!“
„Danke! Erwarten Sie mich heute!“
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Eine Stunde, bevor dieses Gespräch durch die Drähte lief, es war noch Nacht, hatte Mabuse die Villa verlassen. Er hatte Frauenkleider angelegt und war fortgerudert. Er fuhr auf Nonnenhorn zu. Ein Motorboot kam, ein Fischer, der vom Schmuggel aus der Schweiz nach Hause fuhr. Mabuse hielt ihn an. Der Fischer sagte, er habe keine Zeit. Er müsse mit seinen Fischen heim. Da sprang Mabuse mit einem Satz aus seinem Boot hinüber auf ihn, warf ihn unter die Bank, knebelte ihn und schob ihn in das Ruderboot. Er fesselte ihn unter die Bank an, kletterte in das Motorboot zurück und steuerte es in den See. Er zog die Weiberkleider aus. Darunter hatte er einen Anzug, in dem man ihn für einen Fischer gehalten hätte. In weitem Bogen fuhr er zum Ufer zurück, begab sich zu dem Bauern, in dessen Scheune das Auto verborgen war. Georg lag darin und schlief.
Während einer längeren Aussprache mit Georg zog sich Mabuse um und fuhr dann ins Württembergische. Georg ging nach Schachen zurück.
Mabuse wollte nach Stuttgart. Seine Gesellschaft hatte ihn von dort aus am gestrigen Morgen antelephoniert: ein Kranker wolle ihn konsultieren. Das hieß: es war jemand eingefangen worden, der sich zum Ausplündern eignete.
Als Mabuse abends am Spieltisch saß, kam ihm plötzlich wieder das Bild vor Augen, wie er unvermittelt vor der Dampfwalze seine Bremsen zog. Die Walze stand mit großen Umrissen in der Finsternis. Es war, als wollte sie über ihn niederfallen, wobei sie ganz unmeßbare Verhältnisse annahm und langsam sich zu den Gesichtszügen des Staatsanwalts Wenk änderte. Wie ein vorsintflutliches Tier stand sie nun, in dies Gesicht gekleidet, in seiner Erinnerung. Eine flatterige Unruhe störte Mabuse. Er verließ vorzeitig den Spieltisch mit Verlust und fuhr noch in der Nacht nach München zurück.