Das erste, was sich in Mabuses Vorstellungen zeigte, als er die Botschaft des Geheimpolizisten hörte, war, ob es nötig gewesen, sich der Gefahr des öffentlichen Auftretens auszusetzen. Aber er schob diese Vorstellung gleich als etwas Lästiges weg.

Es war nötig, denn es war für seine Seele die Kugel, in der sich Ernährungsstoff in konzentriertester Form zusammenpreßte. So mußte er mit seinen suggestiven Fähigkeiten immer in Berührung mit einer namenlosen Allgemeinheit bleiben. Dann spürte er seine Macht über die Grenze des Kreises hinaus, der ihm verpflichtet war, und von dem er jeden kannte, schier ins Ungemessene wachsen. Und sein Geist übte sich vieles zu umfassen, viele Menschen auf einmal in die Hand zu nehmen und in den irren Dingen, die seine geheime Gabe ihnen auferlegte, ihre Wenigkeit und seinen Haß und seine Gewalt über sie auszukosten ...

Hier auf dieser Bühne war er neu geboren worden. Hier hatte er sein Leben der Macht begonnen, als der Krieg ihn von seinen Pflanzungen in der Südsee als einen ruinierten Mann nach seiner Heimat zurückgetrieben hatte. Dieses gab er nicht auf.

Noch während mit traumhafter Schnelle diese Überlegungen ihn durchzogen, ging er zum Beamten hin und fragte, was geschehen sei. „Sie müssen sich an Herrn Staatsanwalt Wenk wenden,“ sagte der. „Er ist draußen!“

Da erblaßte Mabuse, wandte sich weg und stieg raschen Schritts zum Geheimrat Wendel hinab, den er in der ersten Reihe noch immer sitzen sah. Im Gehen entsicherte er mit der Hand in der Tasche seinen Browning und zielte, von einer Blutwelle überlaufen, die Haß und Kampf durch seine Muskeln warf wie einen Brand, mit seiner Phantasie Wenk mitten in die Stirn.

Du zuerst und dann! sagte er bei sich.

Aber schon lächelte er den Geheimrat an.

„Ihre suggestiven Kräfte,“ sagte der Geheimrat, „scheinen den Staatsanwalt Wenk zu beunruhigen!“

„Wenk?“ fragte Mabuse erstaunt tuend zurück.

„Ich sah ihn nämlich mit Luchsaugen vorhin von Stuhl zu Stuhl schleichen und jeden Besucher durch Jacke, Weste, Hemd und Unterkleid hindurch auf sein kriminalistisches Gewissen prüfen. Er scheint seinen Mann aber nicht gefunden zu haben.“