„Ist es geschärft?“ fragte Mabuse mit einem lastenden Nachdruck. „Scharf genug?“ fragte er nochmals mit einer Betonung, so scharf, als wollte er dem Grafen die Frage durch die Kopfhaut einschneiden.

Mabuse nahm es in die Hand, ergriff einen Papierbogen und schnitt einen scharfen Riß hinein. Drohend sagte er dann: „Es ist scharf genug. Ja!“

Darauf legte er das Messer zurück, schob es aber nicht mehr ins Etui. Er rief den Diener herein und sagte ihm: „Der Zustand des Herrn Grafen hat sich verschlechtert. Der Herr Graf trinkt Kognak und Tokaier. Gegen einen leichten Mosel hätte ich nichts einzuwenden. Aber diese schweren Spirituosen sind nicht erlaubt. Entfernen Sie, was der Graf übriggelassen hat. Der Herr Graf will ... sich ... zur Ruhe ... begeben!“

Das sprach er mit einem auseinandergezogenen, befehlshaberischen Ton. Er ging dann vor dem Diener aus dem Zimmer und verließ das Haus.

Eine halbe Stunde später durchschnitt sich der Graf Told den Hals. Er wußte nicht, was er tat. Er hatte die Empfindung, als hindere etwas in seinem Hals ihn an einem unerhörten Glück. Er wollte nur dieses lästige Hindernis entfernen.

Um zwei Uhr kam ein Bote Mabuses, um sich nach dem Befinden des Grafen zu erkundigen. Der Diener sagte, er schlafe. Aber er wollte lieber noch einmal nachschauen. So fand er ihn blutbesudelt, vom Sessel auf den Boden gerutscht, kalt schon und tot. Der Bote des Arztes kam ins Zimmer, sah die Leiche und ging.

Der Diener wußte nicht, was er tun sollte. Er hatte die Meinung, da keine Verwandten des Grafen in der Nähe waren und die Adresse der Gräfin ihm unbekannt war, er müsse den Selbstmord zuerst der Polizei anzeigen. Dann wußte er aber wiederum nicht recht, an welches Amt man solche Meldungen zu geben hätte, und es fiel ihm ein, daß der Staatsanwalt von Wenk ja ein Bekannter des Grafen gewesen sei und als letzter ihm nachgefragt hatte. Er fuhr nach München, suchte den Staatsanwalt auf und erzählte.

„Ist der Herr Graf denn immer zu Hause gewesen?“ fragte Wenk.

„Ja, immer!“

„Weshalb sagten Sie mir denn damals, der Herr Graf sei ohne Adresse verreist?“