Eitopomar ist kein Weindunst. Es ist ein Urwald in Brasilien. Er ist hoch im Land drinnen. Er wird für mich gerodet. Alles Geld, was ich hier dieser nichtigen Gesellschaft von Jammerkerlen abnehme, lege ich dort an. Dort entsteht mein Land. Dort will ich mein Leben beschließen. Erst dachte ich: mit meinem Harem! Jetzt weiß ich aber: mit dir! Vierzig Tage muß man reiten, bis man zur nächsten Wohnung von Menschen kommt. Und auch das sind welche, die es hier nicht aushielten. Man kommt aber nie hin, weil die Botokuden einen nicht durchlassen. Es ist möglich, daß meine Agenten, die das Geschäft geordnet haben, mich betrügen, und daß, wenn wir hinkommen, es kein Fürstentum Eitopomar gibt. Aber um dich betrügt mich niemand!
Meine Lebensart hier hat inzwischen zu ausgedehnte Kreise gezogen, als daß ich noch viel länger neben und unter der Ordnung und Macht des Staates und der Gesellschaft mich erhalten könnte. Ich habe heut den Beweis bekommen, daß man mir auf der Spur ist. Es gilt von nun an also Vorsicht.
In Genua wird für mich ein Schiff gebaut. Ich fahre nicht auf fremden Schiffen. Ich bin mein Fürst. Das Schiff ist am ersten Juni abzuliefern. In der Nacht vom ersten auf den zweiten Juni schiffen wir uns ein. Aber bis dahin sind es fast noch zwei Monate. Ich kann nicht ruhen. Ich werde bis zu der Nacht unserer Abreise Räuberhauptmann sein.
Wir wollen klug sein. Du beziehst eine andere Wohnung. Sie ist so sicher wie diese hier. Aber wenn sie mir diese hier ausspionieren, fangen sie dich. Ich bin in der Lage, mit aller Wahrscheinlichkeit zu entkommen. Morgen um Mitternacht siedelst du um. Spoerri führt dich hin.“
Ohne Widerstand, ohne Beteiligung ihrer Sinne, verzehrt von der Flamme dieses über sie hereingebrochenen männlichen Willens nahm die Gräfin Worte und Befehl hin ... Schicksal.
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Um neun Uhr war Dr. Mabuse beim Grafen Told.
Mabuse, wo er zur Flucht sich jede Stunde bereithalten mußte, wollte jetzt mit dem Gräflein abschließen.
Er nötigte ihn zum Trinken. Das tat Told seit einigen Tagen mit einer düsteren Leidenschaft. Schweigend sah Mabuse zu. Als Told betrunken war, sagte ihm der Arzt: „Sie sind ein durchaus widerstandsloses Individuum. Wo haben Sie Ihr Rasiermesser?“
Told zeigte lallend auf den Waschtisch.