Die Vorbereitungen mußten bis aufs äußerste ausgearbeitet werden. Und dann mit einer Überrumpelung, die nicht länger als drei Minuten dauern durfte, losgeschlagen werden. Denn ein Mann, der mit einer solchen Kühnheit mitten in der Stadt bis in die Domäne der staatlichen Justiz hinein solche Verbrechen durchführen ließ, hatte sich in seinem Hause gegen Überfälle aufs beste gesichert. Das war unumstößlich.
Über diesen Vorbereitungen verging Zeit.
Zuerst mußte sich Wenk eine der beiden gegenüberliegenden Villen als Beobachtungsposten sichern. Er nahm dazu die Hilfe des alten Hull in Anspruch. Er fuhr gleich zu ihm.
„Können Sie mir einen großen Dienst leisten?“ fragte er. „Lassen Sie durch einen Vertrauensmann in einer der Villen Nr. 26 oder 28 in der Xenienstraße ein Stockwerk oder besser die ganze Villa mieten. So wie sie ist. Es muß übermorgen beziehbar sein. Kosten spielen keine Rolle. Ich brauche das Haus für zwei oder drei Wochen. Das Frühjahr ist da. Vielleicht wünscht eine Partei eine kleine Reise zu finanzieren.“ Hull begab sich gleich ans Werk.
Von Lindau erbat Wenk den sofortigen Besuch des Kommissars von der Straßenwalze. Der Kommissar kam mit dem Schnellzug um elf Uhr nachts.
„Herr Kommissar, die Sache ist reif!“ sagte ihm Wenk. „Sie müssen sich bereithalten, in jedem Augenblick loszuschlagen. Ich überlasse Ihnen den Plan. Sie haben ja reichlich Zeit gehabt, die Geographie und die Gelegenheiten kennen zu lernen. Nur müssen Sie mit dem Augenblick des Eintreffens meines Befehls: Villa Elise verhaften! was gehst du, was hast du, vom Leder ziehen. Tot oder lebendig. Man wird ein zweites Boot auf den See legen. Für die Landseite verdoppeln Sie die Zahl Ihrer Leute. Die Straßenwalze führen Sie fort. In Schachen beginnt jetzt die Frühjahrssaison. Halten Sie sich mit sechs bis acht Mann als Strandgäste dort auf!“
Um sieben Uhr am andern Morgen reiste der Kommissar zurück.
Um elf Uhr kam der alte Hull mit einem Mietsvertrag für die Villa 26 in der Xenienstraße. „Es wohnt ein junges Paar da,“ sagte er, „dem mein Vorschlag, wie es scheint, sehr zu recht kam. Sie wollten nach der Schweiz, wo die Eltern wohnen, und hatten nur vor der Valuta zurückgeschreckt. Ich bot ihnen fünftausend Mark für den Monat. Diese werden sie in Franken umwechseln. Ich schädige unsere Valuta ...“
„Aber Sie nützen der Heimat, Herr Hull! Sie werden sich bald davon überzeugen,“ sagte Wenk.
„Sie können von heute abend sechs Uhr an die Villa beziehen!“