Wenk fühlte auf einmal die Kühle der Nacht unter seinen Kleidern. Er zitterte. Bekam er Fieber vor der letzten Minute? Er kämpfte alles in sich nieder. Er hörte in der Stille der Nacht sein Blut wie einen Wasserfall am Trommelfell rauschen; so war er mit aller Energie auf der Lauer und lauschte dem, was kommen sollte.
Es schlug zwölf Uhr. Ihm war, als bebte die Stadt vom Schlag der Glocken. Als müßte dieser Glockenschlag in das unbekannte Haus eindringen, in dem irgendwo gerade das Scheusal war, und jede Tonwelle werde ein wogendes Messer, das ihn zerfleischte.
Der Glockenschlag der Mitternacht ging vorüber. Ein Schritt hallte nah oder fern. Wenk konnte es nicht unterscheiden. Von der Stille und der erwartenden Gespanntheit trommelten seine Ohren laut.
Auf einmal kreischte die Gartentür. Im Sternenlicht war eine breite weiße Hemdenbrust zu sehen. Sie leuchtete. Ein Mann kam rasch auf die Haustür Mabuses zu ... und in dem einen Augenblick, wo vor dem Öffnen der Tür die Gestalt des Mannes da oben stand, erkannte Wenk trotz der Dunkelheit ganz genau, daß diese Gestalt der Dr. Mabuse war.
So schloß sich das Netz.
Wenk wartete drei, vier Minuten. Stürzte die Stadt nicht ein in diesen etlichen Minuten? Quoll das Pflaster nicht auf? Tobte der Jüngste Tag nicht vom Himmel herunter?
Dann raffte er sich auf und, steif wie ein Blech, überkletterte er den Zaun auf die Straße und eilte hinüber zu Nr. 26. Er stürzte in der Finsternis hinauf, fiel an den Fernsprecher, rief die Nummer und dann an die Wache die Befehle, die er vorbereitet hatte. Er hatte nur die Straße und die Hausnummer zu nennen, die er bisher der Sicherheit wegen geheimgehalten hatte.
Ein Motorfahrer sollte gleich beim Eintreffen der telephonischen Meldung zur zweiten Wache. Unmittelbar nach ihm sollte das Auto mit der ersten Mannschaft ihm folgen, an der zweiten Wache mußten die vom Motorfahrer alarmierten Leute gleich auf das Auto und zusammen mit dem inzwischen angekommenen Fahrzeug der ersten Wache zu dem Haus rasen. So war es abgemacht.
Wenk hastete, nachdem er telephoniert hatte, wieder hinab. Er stellte sich in die dunkle Haustür und wartete darauf, den Klang der Automobile die Straße herauf zu hören. Verbrannte er nicht? Nein, er biß sich auf die Zähne. Er krampfte alle Muskeln. Er mußte kalt und hart sein. Stahl! Stahl! Stahl!
Er brauchte nicht lange zu warten.