Wenk rief Wangen an. Aber es antwortete nicht. Er wiederholte. Er ließ zehn Minuten im Sturm läuten. Es war vergeblich. Wangen hatte er nicht in seine Berechnungen und nicht in seine Vorbereitungen gezogen. Nach dem Österreichischen aber konnte er keine Weisungen geben. Über diese Gebiete erstreckte sich die Macht seines Hebels nicht mehr. Ein Auto entwand sich ihm. Ein Auto wurde ihm von der Nacht gestohlen, von den fremden, feindseligen, in Finsternis gehüllten Straßen entrissen.

Aber dann überlegte er sich, es könnte eine Panne den großen Wagen auf den Weg gelegt haben. Ja natürlich war es so. Denn deshalb hatte der kleine Wagen auf einmal zwei Personen, der bis Hergatz immer nur mit einer gemeldet worden war. Der neue Umstand durfte nicht mehr stören. Durfte ihn nicht aus der Glückserie herausdrängen. Er vertraute, und es mußte losgeschlagen werden.

Er rief Schachen an.

„Wahrscheinlich kommt nur ein Wagen. Lassen Sie ihn einfahren! Warten Sie zwanzig Minuten, ob nicht der zweite folgt, und umstellen Sie die Villa dicht. Und dann Schlag auf Schlag!“

Kaum war sein letztes Wort im Sprachrohr verklungen, als der Weckapparat wieder rief. Die letzte Etappe — der Bahnhof von Enzisweiler!

Ein kleines offenes Auto sei in rascher Fahrt von der Landstraße Lindau-Friedrichshafen abgebogen und fahre Schachen zu. Zwei Personen!

Es war vollbracht! Weiteres konnte Wenk selber nun nicht mehr tun!

Er mußte warten. Vielleicht begann in wenigen Augenblicken die Schlacht am Bodensee, die seine Strategie vorbereitet hatte. Er befahl noch, auf den zweiten Wagen nicht erst zu warten, sondern beim Eintreffen des ersten gleich hinter seinen Insassen in die Villa einzudringen, sie zu fesseln, die Lichter zu löschen und eine Stunde lang noch auf den zweiten Wagen zu warten.

Wenk schaute auf die Uhr. Er legte sie vor sich. Es war 3 Uhr 18 Minuten.

Eine Unruhe bebte ihm in den Hand- und Fußgelenken und verzitterte in sein Hirn. Er fühlte sie wie einen schmerzenden Wirbelwind aus seinen Lenden in den Kopf rasen. Dort blieb sie stehen, ein Weilchen nur. Dann pumpte sie sich wieder denselben Weg durch und ungezählte Male immer denselben Weg von den Lenden ins Hirn.