XVIII
Spoerri hatte die Gräfin aus der Villa im Westen, in der sie eine halbe Stunde lang gewohnt hatte, ins Auto gerissen.
Mabuse hatte mit seinem neuen kleinen Wagen das große Fahrzeug zwischen Kaufbeuren und Günzburg eingeholt. Sie fuhren, ohne anzuhalten, weiter. Es war alles zwischen ihnen seit langem so festgelegt.
Als die Straße nach Wangen von der Lindauer Chaussee abbog, hielt mit einem Schlag der vorfahrende große Wagen. Das kleine Auto fuhr dicht an. Die Gräfin wurde herübergehoben. Mabuse raste weiter. Spoerri fuhr nach Österreich.
Mabuse hatte angeordnet, von hier aus die Flucht geteilt vorzunehmen. Spoerri sollte über den Rhein in die Schweiz. Ein jeder mußte Dr. Ebenhügel in Zürich seine Adresse geben, der sie dann beiden austauschen könnte. Mabuse und die Gräfin fuhren nach der Villa Elise. Dort wartete Georg, der durch Brieftauben unterrichtet war, mit dem Koffer, in dem die Dokumente und Edelsteine gesammelt waren, die Mabuse mit auf die Flucht nahm. Sie sollten dann zu dreien ohne Verzug über den See in die Luxburger Ach fahren und mit einem Auto, das dort wartete, auf der Romanshorner Straße weiter nach Zürich. Für Zürich war nur ein kurzer Aufenthalt vorgesehen, in dem Geschäfte erledigt wurden.
Es war zu erwarten, daß die bayerischen Behörden die Schweiz baten, nach den Flüchtigen zu fahnden. Mabuse wollte deshalb den Aufenthalt in der Schweiz so kurz wie möglich halten und gleich zur italienischen Grenze weiter eilen. Pässe hatte er für sich und die Gräfin auf einen portugiesischen Namen anfertigen lassen.
Ein italienischer Beamter war gekauft. Von ihm an fielen alle Schwierigkeiten zu Boden wie Blätter im Herbst.
Die Gräfin lag im Hintersitz des Wagens. Sie war verborgen von der auffallend hohen Karosserie. Vor sich sah sie unbewegt wie ein Urgestein Mabuse sich über das Steuer errichten. Das werfende Federn des rasenden Wagens und die ungewisse Nachtdüsternis ließen die Umrisse seiner breiten Gestalt ins Gespenstische verfließen. Nur diese Umrisse hatten Leben. Mabuse machte nicht die geringste Bewegung. Er war dort vor ihr herausgewachsen wie ein Felsblock aus einer Wiese.
Straßenalleen, Bauerngehöfte, Dörfchen flogen zurück. Der Bodensee kam in die Nacht. Einige Lichter, an fernen Ufern verteilt, Flächen, versinkend in der Finsternis, von der Ahnung der Menschen ertastet, ein Wechsel der Luft, die man einatmete und die das Gesicht badete ... Zwei ferne Städtchen schwammen wie erleuchtete Schiffe auf dem Meer. Das war schon die Schweiz.
Lindau blieb abseits. Villenstraßen bogen sich über das sausende Fahrzeug.