„Die Tauben sind schuld!“ sagte Georg, als er das Fahrzeug ganz in seiner Gewalt hatte. „Als sie in der Dunkelheit kamen, vor einer Stunde, da hörte ich auf einmal, als ginge eine flüsternde Stimme in einem Buschwerk. Ich paßte scharf auf. Ich glaubte zu bemerken, daß eine Bewegung um den ganzen Park herumschlich. Hier ... dann zwanzig Schritte weiter ... dann wieder zwanzig Schritte weiter ... im Kreis herum, ganz im Kreis herum, und da wußte ich, daß wir umstellt seien. Na, ich kam unbemerkt wenigstens bis ans Gartentor. Fünfzig Minuten habe ich gebraucht für die hundert Meter. Wenn wir den Bootwagen nicht hätten, säßen wir jetzt mit Handschellen drinnen in der Villa Elise ...“

Die Polizeibeamten, die sich mit aller erdenklichen Vorsicht um die Villa herum verteilt und bis zum Schließen des Ringes vier Stunden gebraucht hatten, da einer nach dem anderen gekommen war, hörten das Auto durch die Nacht heranbrausen. Sie lagen gespannt auf ihren Posten und warteten auf den Pfeifenruf, der sie über das Haus und die Verbrecher loswerfen sollte.

Es war ein kleines Intermezzo vor einer Stunde eingetreten. Ein Vogel war auf einmal durch einen Baum geflogen und im Dachwerk des Hauses verschwunden. Einer der Beamten, die dem Haus zunächst lagen, hatte ihn wahrgenommen. Er hatte gesehen, wie der Vogel am Dach herumflatterte und auf einmal irgendwie verschwand, ohne daß er das Dach wieder verlassen hätte. Seine Vermutung, es könnte eine Brieftaube gewesen sein, wurde bald durch die Erscheinung eines zweiten Vogels bestätigt, der auf dieselbe Weise im Dachwerk verschwand.

Der Beamte schlich sich zum Kommissar zurück und meldete, was er gesehen und vermutete. Der Kommissar erfaßte sofort die Bedeutung, die diese Boten haben konnten: daß Poldringer von München her und von den dort Geflohenen gewarnt wurde.

Er ließ deshalb mit großer Vorsicht einen Beamten von Posten zu Posten gleiten und die Tatsache mitteilen, daß der Hausinsasse nun wahrscheinlich gewarnt sei und daß man mit doppelter Vorsicht, aber auch vervielfältigter Schlagkraft in der gegebenen Minute los müsse.

Diese Bewegung, die der Bote des Kommissars um das Haus zog, war es, die Georgs feine Witterung empfunden hatte.

... Das Auto Mabuses sprang in den Park. Der Kommissar mit zitternden Fingern hob schon die Signalflöte an die Lippen. Er wollte im Augenblick, wo die Insassen den Wagen verlassen und die Tür der Villa hinter sich zuziehen wollten, das Zeichen geben.

Zwei Beamte lagen in den Sträuchern links des Hauseinganges und waren an der Tür, bevor im Innern der Schlüssel umgedreht werden könnte. Aber der Kommissar war nicht zum Flöten gekommen.

Das Auto umbrauste die Ecke und hielt nicht an der Tür. Es stürzte ums Haus herum, als wollte es Hals über Kopf sich in den See werfen. Der Kommissar, in der Aufregung und Enttäuschung alle Vorsicht aufgebend, sprang hervor, ihm nach und sah nun wirklich, daß das Auto in den See hinein verschwand. Es hob sich gleich einem unheimlichen Amphibium über das Mäuerchen, donnerte den Holzsteg hinab und sprang in die Nachtflut.

Da erst pfiff er. Die Beamten liefen von allen Seiten herbei und eine Weile durcheinander. „Ans Ufer!“ brüllte der Kommissar.