Sie sahen kein Auto mehr. Sie hörten schon zweihundert Meter vom Ufer entfernt ein Motorboot in die Finsternis entlaufen. Sie suchten unter dem Steg, das Ufer hinab und hinauf, kopflos und erschüttert, aber vergeblich.

Da erst verstand der Kommissar, was vor sich gegangen sein mußte. Die unendlichen Mühen, Anstrengungen und Hoffnungen eines ganzen Monats waren zerschlagen. Der große Fang war ihm entglitten. Er war so zerdrückt von diesem wahnsinnigen Gedanken, daß er den Revolver, den er nackt in der Hand hielt, unbewußt an seine Schläfe führte, als habe er sein Leben durch das Mißglücken des Unternehmens verwirkt.

Er riß ihn eine Sekunde später wieder weg, und der Schuß fuhr, seine Haare versengend, vergeblich in die Nacht. Auf dem See blinkte ein Lichtzeichen auf. Weiter ein zweites. Der Schuß hatte die Aufpasserboote mobil gemacht.

Da erst erinnerte sich der Kommissar dieser Helfer, die er im Ansturm der Verzweiflung ganz vergessen hatte. „Die Morselampe!“ schrie er. War es möglich, daß er die Boote vergessen hatte?

Die verabredeten Lichtzeichen wurden zu den beiden Booten gesandt: „Flüchtlinge in Motorboot auf den See entkommen!“

„Verstanden!“ blinkte es zurück, und einige Augenblicke später schlugen die Scheinwerfer über das finstere Wasser.

Es ging nicht lange, so hatten sie das fliehende Boot entdeckt, aber auch gewarnt. Denn es war im Begriff gewesen, in sie hineinzurennen.

*

Mabuse und Georg bemerkten sofort die Gefahr. Die beiden Scheinwerfer kamen ihnen entgegen wie die geöffneten Kiefer eines Ungeheuers, das nahte, um sie zu verschlucken. Georg trieb das Steuer nach Backbord, das Boot fiel geneigt in voller Fahrt in die neue Richtung. Das Wasser strömte am Steuerruder auf wie ein Hügel und leuchtete brausend in der Nacht. „Es bleibt nur eins,“ sagte leise Mabuse, „die Rheinmündung!“

Er überlegte kühl und rasch. Er stand wieder in einer Lage, die ihm bekannt war, weil er sie ungezählte Male in Gedanken durchlebt und besiegt hatte. Am deutschen Ufer, an das sie leicht hätten zurückfahren können, war wohl weitab alles gegen sie mobil. Am österreichischen lag nur Bregenz, das die Scheinwerfer leicht auf die Beine brachten. Die Rheinmündung hatte zwischen zwei Ländern ein breites, fast unbewohntes Gebiet. Sie konnten in zwanzig Minuten drüben an Land sein und zwischen Österreich und der Schweiz wählen. Glückte es, das Fahrzeug so gut aufs Land zu bringen, wie es ins Wasser gekommen war, so hatten sie einen Vorsprung, der ihre Rettung sicher machte.