Aber eins der verfolgenden Boote lag weit im See. Es schien die Absicht der Fliehenden zu erraten. Es folgte ihnen nicht direkt. Es glitt über Steuerbord, Fahrt mit ihnen haltend, dem Schweizer Ufer zu, als wollte es im günstigen Augenblick ihnen den Weg verlegen.

Vielleicht wollte es aber auch nur sich zwischen sie und die Schweiz legen. Die Scheinwerfer der beiden Boote schlugen zusammen über Mabuses Boot her. Der Motor schrie. Über dem Pfänder lag ein kaum merkbarer Streifen des kommenden Tages. Schüsse klangen hinter ihnen. Das eine der Boote lag nun in ihrem Kielwasser, blieb aber leicht zurück. Die beiden Verfolger signalisierten durch Morselampen miteinander.

Georg steuerte eine Weile in leichten Zickzacklinien. Das Fahrzeug warf hin und her unter dem oft wechselnden Druck des Steuers auf das Wasser. Georg wollte vortäuschen, als versuchte es, nach der Schweiz durchzubrechen. Aber er war auch von den Scheinwerfern erregt. Es gelang ihm nicht, auch nur auf Augenblicke aus der Lichtbahn herauszukommen.

Das eine der Boote, das ihnen im Rücken fuhr, ging wohl nur deshalb jetzt so langsam, weil es keine andere Aufgabe hatte, als sie unter Licht zu halten und ihnen den Rückweg nach dem deutschen Ufer abzuschneiden? Die Morsezeichen waren geheim. Weder Georg noch Mabuse, die sich sonst auf derartiges gut verstanden, weil sie beide viel auf See gewesen, verstanden sie.

Auf einmal erlosch auf dem Fahrzeug, das steuerbordseits mit ihnen fuhr, der Scheinwerfer. Sie hörten über dem Höllenlärm, den ihr eigener Motor machte, wie die Maschine dieses Bootes gegen vorher um einen Ton heller und näher klang. Ihr eigener Motor stand auf seiner Höchstleistung.

Die Schüsse hatten aufgehört. Über den Geräuschen ihres Bootes erhob sich ein anderer Lärm. Mabuse hielt seine beiden Ohren hin, ihm entgegen, stahlkalt und aufgereckt, grell beleuchtet von dem Scheinwerfer. Er trug noch die Polizistenuniform, die ihm die Flucht ermöglicht hatte.

Die Gräfin hatte anfangs in einer halben Ohnmacht am Boden gelegen. Die Schüsse, das schießende Dröhnen des Bootes, die Eile, die Aufregung der beiden Männer hatten sie nach und nach wach gereizt. Sie begann zu erfassen, was geschah. Sie auch hörte über dem Lärm ihres Fahrzeuges ein zweites Geräusch. Sie richtete sich auf. Sie hob den Kopf über Bord und hielt das Ohr in die Dunkelheit, woher der zweite Ton kam.

„Was ist das?“ fragte sie Mabuse, der neben ihr stand, mit dem Rücken gegen die Fahrt, breitbeinig und sicher scheinend. An die Reeling mit den Händen gestützt, ließ er das Licht des Scheinwerfers auf sich liegen, nur um zu horchen ...

„Nichts!“ zischte er zurück. „Schweig’!“

„Was ist das?“ fragte die Frau noch einmal mit scharfer Stimme, und ein Ton klang auf in dieser Stimme, den sie lange nicht mehr an sich gehört hatte.