Für Karstens und Wenk waren Plätze am Tisch zurückbehalten worden. Sie setzten sich mit Verbeugungen, aber ohne daß jemand sie weiter vorstellte.

Man spielte Bakkarat.

Karstens neigte sich zu Wenk: „Nur der junge Mann mit dem blonden Vollbart ist fremd. Die andern spielen immer hier.“

Wenk warf einen Blick auf den Genannten und traf dessen Augen. Er sah, daß auch sie ihn anschauten, und er blickte gleich über sie weg in die Höhe. Aber er fühlte, daß der andere gemerkt hatte, man habe von ihm gesprochen. So oft in der Folge er nun zu dem Fremden hinüberblickte, fand er dessen Augen wie aufpassend auf sich liegen.

Der Fremde spielte kühl und zurückhaltend. Er verlor oft. Da ließ Wenk seine Aufmerksamkeit von ihm und wandte sich den andern zu, die er der Reihe nach beobachtete. Sie waren alle mit ihren Blicken in dem weißen Oval, auf das die Karten aufgeschlagen wurden. Selten kehrte einer den Blick ab. Es waren Herren in Frack und Damen, dekolletiert und übermäßig modisch gekleidet. Das Spiel hatte sie ins Genick gebissen und ritt auf ihnen.

Da ist niemand, sagte Wenk sich. Es sei denn der mit dem blonden Vollbart. Er begann wieder, ihn zu beobachten. Aber es fiel ihm nichts anderes auf, als daß jener seine Blicke erwiderte. Wenk widmete zugleich der Carozza seine Aufmerksamkeit. Er sah sie hingegeben spielend neben Hull sitzen, aus dessen Kasse sie sich bediente, wenn sie verlor. Gewann sie, so häufte sie aber das Geld vor sich auf. In einem Spieler zu ihrer andern Seite glaubte er einen bekannten Tenor der Staatsbühne zu erkennen, dessen Bild oft in den Schaukästen hing.

„Ist das Märker?“ fragte er Karstens.

Der nickte.

Wenk gewann etwas. Er spielte nicht länger, als bis er sich überzeugt hatte, daß für ihn nichts los sei. Dann überließ er seinen Platz einem älteren Herrn, der schon eine Weile hinter ihm saß und ihm mit Bemerkungen über seine Art zu spielen lästig gefallen war. Er setzte sich in eines der Polster und schaute noch ein Stündchen dem Spiel zu. Dann empfahl er sich. Karstens ging mit. Hull blieb mit der Carozza. Als Wenk schon einige Stufen hinuntergegangen war, blickte er nochmals zum Tisch zurück.

Da war es ihm, als ob der Blondbärtige mit seinen großen mausgrauen Augen gierig sein Fortgehen verfolgte und dann blitzschnell, wie in einer bezwingenden Drohung die Augen auf die Carozza richtete. Aber es mochte auch eine Täuschung des Lichts sein. Als Wenk unten an der Treppe angekommen war, stand er unversehens einen Blutschlag lang Brust an Brust mit einer Dame, die die Hand schon auf das Treppengeländer gelegt hatte. Er sah ihr mitten in die Augen. Betroffen trat er zurück, indem er sich tief wie zu einer Huldigung verneigte, und ging. Er wollte zu Karstens sagen: