„Aber ... aber ... spielen wir falsch? Betrügen wir? Wuchern wir, schieben wir? Wir lassen uns doch nur leben. Wo denkst du hin, Maidscherl?“
„Gardi, ein aufgefaltetes Spiel Karten ... ein Bankhalter ... geschlossene Türen und ein Staatsanwalt! Das kann einen an den Galgen bringen!“
„Ich versprach’s ihm aber!“
„Dumm!“ sagte sie nur mehr. „Du hättest dich anders herausziehen können. Die Escha bringt heute ihren Freund mit. Wir gehen zu Schramms. Karstens telephonierte vorhin, er komme auch.“
„Dann kommt Wenk sowieso. Also gut, es ist nun einmal so!“
Der Oberkellner des kleinen Weinrestaurants von Schramms, das sich kürzlich in einer der vornehmen Villenstraßen aufgetan hatte und von einem raffinierten Kunstgewerbler in einem verschrobenen Geschmack ausgestattet worden war, führte Karstens und Wenk nach dem Nachtmahl in einer Loge nach hinten und eine Wendeltreppe hinauf in ein Zimmer, das keinen anderen Ausgang und überhaupt keine Fenster zu haben schien.
In der Mitte des Sälchens stand ein Tisch von einigem Umfang, oval, aber bei jedem Sessel zu einer Nische ausgehöhlt, in die sich der Platzinhaber hineinsetzen konnte, so daß die Tischplatte rechts und links unter seinen Ellbogen ihn umfloß. Die Platte war aus einem barock geäderten, flammigen Kiefersfeldener Marmor. Nur in der Mitte war ein vollkommen weißes Oval eingelassen. Um den Tisch herum, hinter den Sesseln der Spieler erhöhte sich der Fußboden, aber die Wände waren mit verdehnten Liegediwans ganz angebaut, auf denen mild himbeerfarbene Polster mit schwarzen Ornamenten aufquollen. Eine gläserne geschliffene Tonne hing an Messinggestäng tief über den Tisch und erstrahlte von elektrischen Birnen, die aus silbernen Armen niedergriffen. Die Wände oberhalb der himbeerfarbenen Polster waren mit demselben freudigen Marmor belegt, aus dem die Tischplatte bestand.
Wenk wurde der Carozza vorgestellt.
„Ich konnte den Mund nicht halten, Herr Staatsanwalt. Meine Freundin ist unterrichtet. Verübeln Sie mir das nicht, bitte!“
Wenk machte eine leichte Verbeugung, in der ein Bedauern nicht unterdrückt war.