Eines Tages fand man ihn an seinen Hosenträgern erhängt. Er hatte ein Wort an die Wand der Zelle geschrieben, das ein General Napoleons nach der verlorenen Schlacht von Waterloo berühmt gemacht hatte.

Die Durchsuchung der Villa Elise brachte wenig zutage. Man fand nur einige Beweise, daß Mabuse die Gelder, die er durch Spiel und Raub gewann, sofort in einer Schmuggelorganisation in mächtigem Stil weiter vervielfältigte. Man arbeitete zusammen mit den Schweizer Behörden, da man annahm, Mabuse halte sich in der Schweiz auf oder habe sie wenigstens durchreist. Wenk fuhr alle vierzehn Tage nach Zürich. Dann und wann packte man einen Nebenmann von Mabuses Garde. Aber alle waren so streng geschult, daß keiner ein Wort des Verrats über die Lippen brachte.

Von Frankfurt kamen Nachrichten an Wenk, daß dort ein Spieler arbeitete, dessen Ähnlichkeit mit Mabuse so groß war, daß er sofort hinreiste. Aber als Wenk ankam, war nichts mehr von dem Mann in Frankfurt zu spüren. Drei Tage später wurde Wenk aus Köln, dann aus Düsseldorf, darauf aus Essen und schließlich aus Hannover alarmiert.

Wenk war immer unterwegs. Es bestand für ihn kein Zweifel, daß es Mabuse war, der so vor ihm davonwich. Er mußte Aufpasser in München haben, die Wenk beobachteten und ihm folgten. Wenk ließ keine Vorsicht außer acht. Er wandte alle Listen an, die er erfinden konnte. Er benutzte Züge, Autos, Flugzeuge für jede Reise durcheinander. Er kontrollierte, als der Verdacht sich nicht mehr abweisen ließ, daß Mabuse unter Wenks eigenen Leuten Helfershelfer hatte, diese aufs hinterlistigste. Er wechselte seinen Chauffeur, seine Haushälterin, änderte Fernsprechnummer und Wohnung, logierte im Hotel, bei Freunden, auswärts.

Sobald er aber in die Stadt kam, aus der der Spieler gemeldet wurde, war dieser spurlos verschwunden und tauchte einige Tage später in der Nachbarschaft auf. Das ganze Reich dehnte das Dasein und Wirken des Räubers schon zu einer Sage aus.

Dr. Mabuse, der Spieler! zog wie eine Ballade, aus der alle Dämonie des tiefsten Widerstandes der Menschen gegen Gesetz und Ordnung in die Phantasien verschwelte, von Ort zu Ort.

Die Polizei schritt in allen Städten gleich zu Massenverhaftungen. Aber sonderte man die Eingefangenen aus dem Netz, so war nie dieser Einzige dabei, um den man alle Verbrecher sämtlicher Gefängnisse hätte laufen lassen wollen. Aber eines fiel Wenk bald auf — die Geographie! Unverkennbar zog Mabuse im Kreis durch das Reich auf Berlin zu.

Wenk erbat von seiner vorgesetzten Behörde Urlaub aus Bayern und setzte sich mit den preußischen Gerichten ins Einvernehmen, die ihn als Spezialisten nach Berlin holten.

Er reiste sofort hin und mietete sich im Zentrum ein. Mabuse sah ihn aus dem Bahnhof gehen und kannte eine Stunde später seine Wohnung.

Nun hatte er ihn hier, wohin er ihn zur Vollendung seiner Rache gewünscht und gelockt hatte. Mabuse hatte in Wirklichkeit Berlin nie verlassen. In allen den Städten, in denen Wenk seiner Spur nachging, waren falsche Mabuses aufgetreten, Leute seiner Truppe, von ihm unterrichtet und abgesandt. München war zu klein für das, was Mabuse vorhatte. Die Abgründe Berlins waren das sichere Jagdgebiet.