„Wir sind da!“ sagte der Polizeidirektor.

Bald hielt das Auto zwischen anderen Wagen, die vor einer Freitreppe nebeneinander standen. Die Freitreppe selber war nicht beleuchtet, aber es fiel Licht genug aus den drei hohen Glastüren, die sich auf sie öffneten.

Wenk ging rasch hinan ins Licht hinein. Vörös führte ihn zur Garderobe, die stark mit Kleidungsstücken überfüllt war. Eine Uhr in der Halle schlug zehn mit einem grellen, hastigen Schlag. Es war, als peitschte sie die Stunden aus sich heraus. Wenk konnte nur mühsam mit Zählen nachkommen.

Zehn Uhr ist es, sagte er bei sich. Wir sind eine Stunde gefahren. Ich hatte den Eindruck, als ob der Wagen seine fünfundvierzig Kilometer machte. So weit ist Nikolassee doch nicht! Ein umwölktes Mißtrauen erfüllte ihn.

Er sah nach dem Ungarn. Der lachte ihm freundlich zu. Dann gingen sie auf die große Flügeltür los.

„Sie erlauben, ich trete vor. Ich werde Sie gleich zur Fürstin bringen!“

Ein Diener zog die Tür auf. Wenk trat hinter dem Polizeidirektor in einen mäßig großen Saal. Die Beleuchtung war stark gedeckt. Das war das erste, was Wenk auffiel. Dann sah er eine Bühne klein und halbrund sich aus einer Ecke erheben. Sie war mit einfarbigen Stoffen und asiatischen Teppichen geradezu kostbar hergerichtet. Einige Stühle und ein Tisch standen drauf. In den Stuhlreihen, die den Saal füllten, bewegten sich Menschen in Abendtoiletten. Herren und Damen, aber viel mehr Herren waren es, und die Damen waren alle auf eine auffällige Art modisch gekleidet.

Da sagte Vörös: „Die Fürstin!“ Er stellte Wenk vor.

„Ihr Freund, den Sie uns ankündigten?“ fragte die Dame mit einem gewinnenden Lächeln. „Sie sind uns willkommen, Herr von Wenk. Ich glaube, wir brauchen nicht in Sorge darüber zu sein, daß Sie den Abend in unserem Hause ohne Anregung verbringen. Darf ich die Herren meinem Mann übergeben? Pflichten als Hausfrau, Herr Staatsanwalt, nicht wahr! ...“

Die Frau trat einen Schritt näher in den Kreis eines der Lichter, die in tiefen Seidenschirmen sich verbargen. Da sah Wenk, daß die Frau, die er für sehr jung gehalten hatte, stark geschminkt und gepudert war. Ihr Kleid war entsetzlich grell, so daß er erschrak, als sie ihn plötzlich, sich von ihm trennend, mit einem übermäßig freundlichen Lächeln anblickte.