Der Suggestor schien dann eine Weile Wenk nicht mehr zu beachten. Er widmete sich den Heraufkommenden. Kaum hatte einer die Bühne betreten, so machte er unversehens kehrt und begann zurück in den Saal zu laufen. Einer nach dem andern! Ein Dutzend, mehr ...
Die unten blieben, lachten. Der kleine Saal wollte entzweibrechen vor Gelächter. Es kamen immer mehr. Einer machte es wie der andere.
Wenk erfaßte mit einer Hand das Gelenk der andern Hand und fühlte, ob er noch Bewußtsein über seine Nerven und Muskeln hatte. Er wollte widerstehen. Die Aufwallung von Herzensgröße und Edelmut war rasch verkältet. Er haßte, bedrohte, verwünschte jetzt. Er nahm den letzten Kampf auf.
Sein begieriges Blut flammte den Gegner an, überwachend und zugleich auf Selbstwehr bedacht. Irgendwo in seinem Körper klang eine Saite an, wie von einer Mandoline. Er begann dieser sonderbaren Musik hinzuhorchen. Sie war so zart und fern. Aber gleich schlug er sich zurück auf seinen Posten der Wehr und Wache.
Da überfiel ihn ein geradezu wunderbarer Einfall: Wenn er jetzt so täte wie die andern und liefe wie im Zwangstraum, da ... an den Stühlen vorbei ... die Allee von Stühlen, die süße, rettende Allee ... die Tür war offen, groß, verheißungsvoll ... Rettung und Pflicht zugleich ... ans erste Telephon draußen in der Nachbarschaft ... Polizei rufen ... eine glänzende List! und schauen, wie die andern es machten, und es denen gleichtun und harmlos traumumfaßt tuend, zurück in den Saal kommen und warten ... auf die Polizei, die helfende ... Eine wunderbare List!
Ein Muskel schon zog sich in einem Bein an ...
Da rief Weltmann dem Baron streng zu: „Weshalb passen Sie nicht auf? Revolver hoch! Sehen Sie denn nicht, daß dieser Verbrecher fliehen will?“
Er wies auf Wenk, und Prewitz hob den Browning mit einer traumverlorenen Lässigkeit, mit einer Entsetzen gebenden stupiden Gleichgültigkeit. Er hob die Waffe Wenk vors Gesicht. Wenk sah das kleine Loch, und schwarz, tief gefährlich tobte die Hölle da drinnen. Er wußte, die Waffe war entsichert.
„Sie schießen beim ersten Schritt, den er tut, ohne meinen Befehl,“ sagte Weltmann mit einem vieldeutigen strengen Lächeln.
Wieder klang aus diesem furchtbaren Augenblick heraus die feine Zupfsaite in Wenk an, an einer andern Stelle als vorhin. Eine milde, wehmütige, gut gekannte Weise erklang, als bliese sein Vater an seiner Wiege auf einer Flöte ein Schlaflied.