Vörös warf ihm einen raschen Blick zu. Da erbat der Suggestor neue Mitwirkende.

Wenk, plötzlich zu einem Entschluß kommend, wie mit einem Ruck gefaßt, kühl und kühn, eilte selber hinauf als der erste. Lieber den Wolf im Gesicht als im Rücken!

Da sah er, wie der Baron Prewitz, den man vergessen hatte, ihm folgte. Mit automatisch dem seinen angepaßten raschem Schritt sprang er hinter ihm her, den Browning in der Hand. „Sie wagen sich nur unter Bedeckung in mein Land, Herr Staatsanwalt,“ lächelte der Suggestor.

Das ist Hohn! sagte sich Wenk. Er kennt dich!

Wenk verbeugte sich nur, wie um zu sagen, er heule mit den Wölfen. Er stand nun neben dem Suggestor. Die beiden Gestalten maßen sich aneinander. Wenk hatte diesen Werwolf gehaßt und mit der Rachsucht verfolgt, die er dem Feind der Ordnung, in der allein das Volk gesunden konnte, entgegenbringen mußte.

Wie er sich nun aber neben ihm erhob, eine Weile allein mit ihm auf dem Podium, abgesondert von allen andern, und sie beide auf dem Gipfel des Kampfes umeinander standen, war ihm, als seien sie zwei gleich starke Kräfte, die nur nach verschiedenen Richtungen gingen. Die Begriffe Gut und Böse verwelkten an diesem heimlichen Optimismus und fielen ab. Es war nur mehr: Mensch zu Mensch!

Und aus seinem bedrängten Blut stieg etwas wie ein Vertrauen auf die Ritterlichkeit seines Gegners ... ein Vertrauen, das auf einen schwingenden, kaum wahrnehmbaren Instinkt zurückging: sie mußten beide kämpfen stets unter dem Einsatz ihres Lebens. Sie hatten sich wohl einer gegen den andern gewandt; aber das mußten sie sich nachsehen jetzt, in dieser aufs letzte getriebenen, feierlichen, heißen Minute.

Wenn ich schlafen könnte, sagte sich Wenk mit einer innigen und zarten Sehnsucht.

Er sah Weltmann von nahe in die Augen. Er übersah sein ganzes Bild. Es war die aus Muskeln zusammengereckte Gestalt, und Wenk riß in Gedanken den aufgeklebten Schnurrbart weg und die Augenbrauen und die schwarze Perücke, und darunter sah er den kahlgeschorenen, hochgeschwungenen Schädel des Dr. Mabuse.

Wenk hätte ihn jetzt unter allen Verkleidungen erkannt. Er schaute Mabuse ruhig an. Die Blicke des andern flackerten gegen ihn. Die grauen Augen verzehrten sich selber in ihrer Größe und dem kalten Feuer, das sie von sich gaben.