Er stand zwischen zwei Polen. Entweder war alles um ihn im Bund mit Mabuse. Dann gab es für ihn keine Rettung. Dann war, was er hier erlebte, die Vorbereitung einer Rache, an deren Ende nur sein Tod stehen konnte.

Oder es war nur ein Zufall, daß er in eine Gesellschaft geraten war, in der ebenfalls durch einen Zufall Mabuse auftrat? Es konnte ja sein, daß Mabuse Ungar war. Es konnte ja sein, daß er früher Rechtsanwalt in Pest gewesen. Seine Beziehungen zu Geheimrat Wendel bewiesen, welches Doppelleben er geführt hatte. Das war also alles nicht von vornherein ohne Übereinstimmung mit der Annahme, ein Zufall habe ihn und den Verbrecher hier zusammengebracht.

Die nächste Frage, über die Wenk Klarheit zu bekommen versuchte, war die, ob Mabuse ihn kannte.

Da sagte er sich, rasch, erbleichend: Ja, er kennt mich. Er hat mich bei Schramms gesehen und in den Vier Jahreszeiten. Das ist sicher.

War dieser Mann so tollkühn und über sich gewiß, daß er trotzdem, ja wie zu einer teuflischen Verspottung Wenks, das aufführte, was Wenk soeben droben auf der kleinen Bühne gesehen hatte ... ihm geradezu Aufschluß über all die Rätsel gab, mit denen er seine verbrecherischen Handlungen eingekleidet hatte ...

An Hilfe der Polizei war nicht zu denken; denn Wenk wußte nicht einmal, wo er war. Aber wenn er den Fürsten ins Einverständnis zöge? Aus der Gesellschaft heraus sich Hilfe holte, um den Mörder dingfest zu machen?

Das aber könnte er nur tun, wenn er der Gesellschaft vollkommen sicher wäre; sonst wäre von vornherein alles verloren. Stimmte es schon mit dem Haus, so war ihm durch Erfahrung bekannt, daß dieser Verbrecher stets von einem Teil seiner Bande schützend umgeben war, und daß dies Leute waren, die vor keinem Teufel zurückschreckten. Um ihn saßen gewiß zahlreiche Helfershelfer Mabuses.

Aber wenn Wenk sich wie unabsichtlich irgendwo an eine Tür machte, hinausginge und im Schutz der Nacht entflöhe, den Gang mit Mabuse für eine Gelegenheit aufsparend, bei der Wenk bessere Waffen zur Verfügung hätte ... Oder wenn er unauffällig ein Telephon aufsuchte, im Hause und die Polizei um Hilfe riefe? Aber wohin sollte er sie rufen?

„Grandios, haben der Herr Staatsanwalt jemals Ähnliches gesehen?“ fragte Vörös.

Wenk vergaß zu antworten. Er hatte die Frage gehört und sich, noch war sie nicht ausgesprochen, vorgenommen, dem Ungarn harmlos und umständlich begeistert zu antworten. Aber der Vorsatz war rasch in der Flut der Überlegungen und Pläne, die ihn durchtobte, davongeschwommen. Er merkte es nicht einmal.