„Unsere gemeinsamen Interessen, Herr Doktor. Ich wollte nur sagen, die Gefahr droht von München aus. In der Schweiz wären Sie sicher. Sie haben ja Reichtümer aufgestapelt, die Ihnen erlauben, in jedem Land zu leben. Bleiben Sie hier. Bei uns sind Sie sicher.“
„Was wissen Sie davon? Sie haben mein Vermögen zu verwalten, sonst nichts. Nur zu verwalten! Basta! Noch etwas?“
Der Rechtsanwalt berichtete über seine letzten finanziellen Operationen für Mabuse. Mabuse nahm die Aufzeichnungen, die jener mitgebracht hatte, an sich. Er schritt dann am Bachufer fünf Minuten auf und ab, allein, um sich nach dem langen Fahren zu ergehen.
„Ist Spoerri noch da?“ fragte er. „Sie brauchen dann nicht nach Zürich zu reisen,“ sagte er ihm. „Ebenhügel nimmt die Mappe mit. Wir fahren zusammen nach Schachen zurück.“
Auf der Rückfahrt vermochte Mabuse nicht sitzen zu bleiben. Er ging ununterbrochen auf der kleinen Plattform hin und her. Ein Lichtzeichen blitzte vor ihm auf. Die drei Konvoiboote pochten wieder um sie. Ihr Lärm ging verborgen in der Finsternis wie von Geistern.
Mabuse telephonierte durchs Sprachrohr nach vorn: „Georg, Kognak!“ Das hörte Spoerri, und er erschrak.
Mabuse trank in der halben Stunde, die die Fahrt dauerte, die Flasche leer. Er war betrunken, als sie an Land gingen. Er torkelte durch die Finsternis dem Hause zu, den andern voran, die nach seinem Befehl fünf Minuten warten mußten, bevor sie ihm folgten. „Wir trinken weiter,“ befahl er im Speisezimmer. „Bring! Georg!“
Spoerri überfiel ein Gruseln. Er wußte, wie es ging. Der Doktor wurde, je mehr er trank, immer nüchterner und grausamer. Spoerri selber mußte sich bis zur Bewußtlosigkeit betrinken. Sie tranken nun Sekt zur Hälfte mit Kognak gemischt.
„Das ist aufgelöstes Gold,“ stammelte Mabuse. „Her! Größere Gläser! Georg! Die Pokale! Spoerri, ein Zug! Reisläufer-Sohn! auf einen Zug! Hundeblase, hinab! In deine Hundeblase!“ Er trank vor. „Gefehlt!“ schrie er, da er vor Spoerri fertig war. „Noch einen! Du mußt kotzen! Ich muß dich kotzen sehn! Deine Seele ausspucken sehn, du halbverdautes Menschenaas!“
Spoerri trank, und in den Augwinkeln drehte alles kopfüber in eine Tiefe hinab, in die er selber zu fallen drohte.