„O, Herr Staatsanwalt, Engel, der in meinen Kerker Licht bringt! Verlassen wir diesen Raum! Gleich! Keine Minute kann ich länger hier atmen! Furchtbar!“
Sie zog voran gegen die Tür ...
„Ja, nun muß ich Ihnen allerdings die Enttäuschung bereiten, die ich gefürchtet habe. Wir leben in einem Staat, liebes Fräulein. Jeder Staat ist grausam. Da gibt es Beamte, jeder für seinen kleinen Kreis und darf darüber hinaus nicht verfügen. Ich bin Staatsanwalt. Aber der Staatsanwalt ist nur da, um anzuklagen, und nicht, um Unschuldige zu befreien.“
„Und dann?“ fragte die Carozza auf einmal hart.
Der Ton dieser Stimme warnte Wenk. Er wurde schichtweise sachlicher. „Ihr Fall hängt nämlich vorerst nicht von mir ab, sondern vom Untersuchungsrichter. Ein Verhör durch ihn müssen Sie sich schon noch gefallen lassen. Das ist peinlich. Aber die Verkettung der Umstände ist schuld daran.“
„Und Sie?“ fragte die Carozza.
„Ja, ich? Ich kann nichts anderes tun, als dem Richter sagen, daß wir alte Bekannte sind und daß ich Sie der Teilnahme an einem solchen Verbrechen nicht für fähig halte.“
„Weshalb kamen Sie denn her? Sie sind ja der Untersuchungsrichter nicht.“
Da merkte Wenk, daß sie ihn durchschaut hatte. Er wußte damit wohl, daß sie ihm entglitten sei, aber wußte zugleich auch: Sie ist schuldig!
„Ich komme her wegen eines kleinen Umstandes. Ich will Ihnen helfen,“ sagte er rasch. „Sie haben dem Beamten Widerstand geleistet?“