Gabiang (Rückseite).
Daß, wie fast bei allen Melanesiern, die Ahnen- resp. Totenverehrung auf einer hohen Stufe steht bekundeten auch die hiesigen Eingeborenen durch die Art der Gräber. Gleich neben den Bildsäulen ([S. 180]) sieht man einen viereckigen Holzrahmen, der mit weißem Sand ausgefüllt ist und eine Grabstätte bezeichnet. Vielleicht ist es die des berühmten Häuptling Gabiang, wahrscheinlich eines gewaltigen Helden, dessen Andenken das Volk der Ssuamiten durch diese bewundernswerten Denkmäler ehrte. Ein anderes Grab, in der Form eines Miniaturhauses, zeigt die Abbildung des Hauses ([S. 173]) rings von einem Zaune aus Steinen umgeben, innerhalb dem buntblättrige Ziersträucher angepflanzt waren. Jedenfalls sind Menschen, welche ihren Toten solche Pietät beweisen, keine Wilde. Aber ich habe manchem großen Kanakerbegräbnis beigewohnt und will gleich hier einfügen, daß es sich in einem solchen Falle stets um Vornehme, Reiche handelte. Mit Unbemittelten und Armen macht man, wie bei uns, nicht viel Federlesens, um sie unter die Erde zu bringen; deswegen gehen die Dorfbewohner nicht wochenlang mit geschwärztem Gesicht oder wie es sonst die Trauergebräuche der Papuas erheischen.
(S. 176.)
Im Dorfe Ssuam, Finschhafen.
Ich fand bei den Bewohnern Finschhafens so ziemlich dieselben Gegenstände, welche ich schon früher in Huon-Golf, ja selbst Astrolabe-Bai, gekauft hatte, und von denen sich viele durch außerordentlich kunstvolle Arbeit und geschmackvolle Ornamentierung auszeichneten. So u. a. ein Kampfbrustschmuck (T. XXII 6), die breiten, zum Teil durchbrochen gearbeiteten Armbänder aus gebogenem Schildpatt, Simassim, (Atl. XIX), die fein eingravierten Armringe aus Trochus niloticus, Bii, (XVIII 5, und XIX 4), die schwungvoll geschnitzten hölzernen Kopfkissen, Palim, (Taf. III 1), und länglich-ovalen, mit einer Art Metall (Graphit oder Mangan) geschwärzten Holzschüsseln, Ssu, (III 3), alles Dinge, welche außerordentlich mit den in Astrolabe-Bai üblichen übereinstimmen oder identisch sind. Besonders schön waren auch die Schnitzereien der Ruder, Holztrommeln, Ong, (XIII 4) und Doppelhaken zum Aufhängen von Gegenständen über dem Feuer oder im Hause, letztere zum Teil menschliche Figuren, Buam, (Taf. III 2), darstellend. Sehr reich sind die verschiedenen Schmuckgegenstände, zu denen neben Scheiben aus dem Spitzenteil von Conusmuscheln, besonders kleine Kaurimuscheln, Ssanem, eine Art Cypraea, und Hundezähne das hauptsächlichste Material bilden. Jabo, d. h. fast kreisrunde Eberhauer galten auch hier als der kostbarste Schmuck (vergl. Atl. XXI 2). Neu war mir eine, jedenfalls künstlich, hochgelb gefärbte Grasart, Ssemu, aus welcher elegante Armbänder, Stirn- und Leibbinden (XXIV 5), zum Teil mit Hundezähnen garniert, geflochten werden, die wenn neu, wie Goldbrokat leuchten. Als ich am 20. Dezember 1885 die hohe Ehre hatte unserem erhabenem Kaiserpaar eine Auswahl von Gegenständen der Eingeborenen Neu-Guineas zu zeigen und zu erläutern, waren die Allerhöchsten Herrschaften auf das äußerste überrascht[51]. Und in der That, diese Arbeiten sind staunenswert, und ich freue mich wenigstens einige derselben im Bilde bringen zu können.
Die Waffen sind die gewöhnlichen und im ganzen schlecht. So kleine Bogen (Talam) mit Sehne (Teko) von gespaltenem Rotang, und Pfeile (Sob), ziemlich rohe Speere (Gim) und flache lange Holzkeulen (Ssing). Aber es gab Schilde von sehr eigentümlicher Form, wie ich dieselben nur hier gesehen habe. Sie bestehen aus einem konkav gebogenem Stück Holz, so lang und breit, daß es fast einen Mann zu decken vermag, wie dies am besten aus der beigegebenen Abbildung eines Kriegers beim Scheinangriff ersichtlich ist, welche auch die eigentümliche Verzierung in bunter Malerei andeutet.
Scheinangriff.
Sehr geschickt sind auch die in bunten Mustern (Atl. X. 2), oft mit Hundezähnen garnierten, Beutel gestrickt, in welchen verschiedene Kleinigkeiten aufbewahrt werden, darunter kleine Büchschen aus Bambu mit einem graulichen Pulver (Da), — Zahnpulver! Man sieht, daß die Finschhafener bereits sogar in Toilettenkünsten entwickelt sind, wenn sie sich auch äußerlich wenig von ihren sonstigen Stammesgenossen unterscheiden und ebenso schmierig als die ganze Papuagesellschaft erscheinen. Dazu trägt hauptsächlich eine schmutzige Halsstrickelei bei, welche die meisten tragen, und der häufig sehr unzureichende Schamschurz aus Tapa (Opo), die ganz denen von Huon-Golf (Atlas XVI, 4, 5) ähneln. Tapa wird auch zu eigentümlichen Kopfbedeckungen der Männer benutzt. Der ehrenwerte Herr auf meiner Abbildung mit dem kostbaren Brustschmuck aus Hundezähnen zeigt eine solche Mütze (Opo), welche zugleich den Abumtau oder Häuptling bezeichnet. Andere Kappen von kegelförmiger Gestalt, Parung genannt, werden ganz aus Menschenhaar hergestellt und ähneln durchaus einer Derwischkappe. In der That, kein Anthropolog würde auf einem Bazar in Stambul oder Alexandrien einen Ssuamiten in solcher Kopfbedeckung für einen Papua, sondern ohne allen Anstand für einen frommen Moslem und Mekkapilger halten. Das bringt mich auf die äußere Gestalt! Und da will ich nur erwähnen, daß auch die hiesige Bevölkerung so erheblich individuell abweichend ist, wie überall in Neu-Guinea. Aber jedenfalls findet sich der negroide Typus weniger als sonst, dagegen trifft man nicht selten echt semitische Gesichter, wozu der Bart, welchen die meisten älteren Männer stehen lassen, nicht wenig beiträgt.