O wohl dem Kinde, dem solcher Segen wird in's Leben mit hinein gegeben! Das Gebet für die Kinder ist wie der Thau von oben, den der Ackermann nicht entbehren kann, und wenn er das Saatfeld noch so treu bestellt. Der Thau kommt über Nacht, und des Gebetes Segen auch; und was die Hitze des Tages auch aufzehrt, der Abend bringt's wieder neu, und Blüthe und Frucht zeugen vom Vater des Lichts, von dem herabkommt alle gute und vollkommene Gabe. —


13. Die Nachtmenschen.

»Es ist kein Dörflein so klein,
Ein Hexenmeister muß drin sein.«

Dieses Sprüchlein, das aus dem Volke hervorgegangen ist, wird durch die Erfahrung bestätigt. Man wird noch heute nicht leicht ein Dorf finden, in welchem nicht Einer wohnte, von dem man sagt: »Er kann etwas.« Was er aber nach der Meinung der Leute kann, oder zu können vorgibt, das ist, daß er dem Vieh in Krankheiten zu helfen weiß mit allerlei Hausmittelchen, auch wohl dem Herrn Doctor in's Handwerk pfuscht, und allerlei Tränklein bereitet, und Pillen dreht, die der Kunst zu Schaden und Schande manchmal helfen, da sie mit vollem Glauben genommen werden, und so diesen Winkeldoctoren den Zulauf beständig erhalten. Unter ihnen sind aber auch nicht Wenige, die dem Glauben des Volkes noch mehr zusagen, indem sie durch ihr bloßes Wort, durch allerlei Sprüchlein, in denen der Name Gottes nicht selten gemißbracht wird, Blutungen stillen, behextes, d.h. krankes Vieh kuriren, Diebe ausfindig machen, ja bannen und festmachen können gegen Hieb und Stich. Da mögen hundert Täuschungen und Betrügereien an den Tag kommen, da mag man eifern, wie man will, und durch alle mögliche Gründe der Vernunft und des Christenglaubens das Uebel an der Wurzel angreifen, die Sache bleibt und wird bleiben noch manches Jahr. Der ganzen Erscheinung, die man schlechthin Aberglauben nennt, liegt das Bestreben zu Grunde, sich mit der Geisterwelt in Verbindung zu setzen, denn nicht alle diese Hexenmeister sind Betrüger, sie sind viel häufiger Betrogene, denen der Muth bei

jedem Gelingen wächst und damit der Glaube, »sie könnten wirklich etwas.«

Aus ihrer Mitte gehen auch die Schatzgräber hervor, ein unruhiges und keineswegs kleines Völklein, die ihr Wesen wie die Nachteulen im Dunkeln treiben, und unendliches Elend im Volke verbreiten. Sie gehen zu den dummen, reichen Glückspilzen, die gerne ohne sonderliche Mühe noch reicher würden, spiegeln denen allerlei Luftschlösser voll Gold und Silber vor, locken ihnen aber dabei ihr liebes Geld listig aus der Tasche, und sind bei Nacht und Nebel verschwunden. Zu ihnen gesellen sich herunter gekommene Handwerker aus kleinen Städten, und Bauern, die das Sprüchlein vergessen haben: »Sing', bet' und geh' auf Gottes Wegen, verricht' das Deine nur getreu«, und die dann wachend und schlafend von Schätzen träumen, die da und dort in verfallenen Schlössern, oder an Orten liegen sollen, wo es nicht geheuer ist. Bisweilen ist auch Einer unter ihnen, den man da am wenigsten suchen sollte, ein Mann von Lebenserfahrung und Wissenschaft, der nur in diesem Einen Stücke wie von einem bösen Geiste irre geführt wird, und es für möglich hält, mit Hülfe von Erdspiegel und Wünschelruthe verborgene Schätze aufzufinden.

Diesen Aberglauben nähren und erhalten eine Anzahl Bücher, die sich da und dort noch unter dem Volke finden, und in so hohem Ansehen stehen, daß sie fast um Geld nicht feil sind, und wie die köstlichsten Schätze vor den Dieben müssen gewahrt werden. Sie stammen größtentheils aus alter, finsterer Zeit, sind auch wohl, wenigstens der Titel sagt's, aus dem Arabischen übersetzt, und manche sind nicht einmal gedruckt, sondern finden sich nur in einzelnen, höchst seltenen Handschriften. In diesen Büchern

wird geredet von der verborgenen Weisheit; nicht aber von jener, wie man durch Christum selig werden soll, sondern von jenem Vorwitz, wie man sich mit erdichteten Geistern in Verbindung setzen, durch ihre Hülfe Schätze heben, sein Lebensschicksal in den Sternen lesen, und den Stein der Weisen auffinden könne. Dazu sind nun diese Bücher nicht in gutem Deutsch geschrieben, daß sie Jedermann lesen und vergehen könnte, sondern die meisten sind ein leeres Geschwätz voller hochtrabender oder dunkler Bilder, Redensarten und Gleichnisse, und durchspickt mit Worten aus fremden Sprachen. Ja etliche sind sogar in Figuren geschrieben, und der Schlüssel zu diesen verborgenen Schätzen der Weisheit ist nicht dabei gegeben, so daß ein nüchterner Christenmensch, dem ein solch' Buch in die Hand fällt, es mit dem Gedanken zur Seite legt, wäre, was da drinnen steht, nütz zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, so wäre es gewiß auch mit deutlichen Worten geschrieben. Aber gerade an diese Bücher wagen sich die Grübler. Wenn ein Christ seinen Abendsegen betet und sich in Gottes Namen zur Ruhe legt, dann sitzen diese Jünger der geheimen Weisheit die Nächte hindurch vor ihrem Lämpchen, und ein böser Geist nach dem andern nimmt Wohnung in ihnen. Erst der Geist der thörichten Fragen, darnach der Geist des Hochmuths, darnach der Geist des Abfalls von dem lebendigen Gott.

Eine besondere Classe dieser Düsterlinge ist jetzt seltner geworden, aber aufgehört hat sie heute noch nicht ganz, lange Zeit hindurch eben so unentbehrlich an den Höfen der Fürsten, wie die Hofnarren. Die Erfahrung, daß durch Mischung von mehreren Stoffen ein neuer entsteht, von neuer Farbe, Beschaffenheit und Brauchbarkeit, und daß verschiedene Metalle, mit einander verbunden, ein neues