»Alles ganz gut, was ihr da sagt, Schulmeister«, hub der Schreinerkaspar wieder an, »aber widerspricht eurem Worte nicht die Erfahrung? Diese heimliche Weisheit, die ihr verwerft, hat doch schon Wunderdinge gethan. Sie hat Etliche zur glücklichen Auffindung des Lebenselixirs gebracht, daß sie ihr Leben in's Unglaubliche verlängert haben; sie hat Etliche das Goldmachen gelehrt, daß sie so reich geworden sind, wie Keiner vor ihnen; sie hat den Weg gezeigt, wie Etliche manch' schönen vergrabenen Schatz zu Tage gebracht haben, der sie Zeitlebens von aller Sorge bewahrte.«

»Alles nichts als Wind und Aufschneiderei«, sagte trocken der Schulmeister, »womit Einer den Andern betrügt, ihm sein Geld aus der Tasche lockt, und hinten drein in's Fäustchen lacht. Sagt selbst, Kaspar, was ist bei allen Schatzgräbereien, die wir bis jetzt erlebt, herausgekommen? Wie ist's denen dort im Gartenhäuschen bei Gießen ergangen? Man hat sie am Morgen mit umgedrehten Hälsen gefunden. Was hat der Dreher Müller in seiner Schachtel gefunden, statt des Goldmännleins, das sie ihm hineinzuzaubern versprochen? So wahr ich lebe, nichts als eine todte stinkende Ratte! Was haben die Schälke dem dummen Pachter dort in der Wetterau, der schier eine Meste weißer Sommerkälber einfangen ließ, damit sie sich bei ihm in Ducaten verwandelten, was, sage ich, haben sie ihm zurückgelassen? Einen leeren Beutel und ein bös Gewissen, und Hunger und Kummer im Hause.«

»Je nachdem man's angreift«, antwortete der Kaspar; »wer den Gaul am Schwanz aufzäumt, der kann auch

hierbei nicht fortkommen. Man muß nur die Sache recht anzugreifen wissen. Und, mein' ich denn, unsere Herrn Kameraden verstehen das Ding; sie sind nicht alle auf den Kopf gefallen. Wir haben sogar Etliche darunter, vor denen ihr, Herr Schulmeister, den Hut abthun müßtet; verstehe das also, daß sie, gleich wie ihr, Wissenschaft haben von Allem droben am Himmel und hier unten auf Erden.«

»Das glaub' ich gern«, sagte Justus heiter lächelnd, »daß sie mehr wissen als ich, denn mein Wissen blähet mich nicht; aber kennen möchte ich wohl den Hauptinhalt ihrer Wissenschaft, wäre es auch nur, um zu lernen, was mir noch fehlt.« »Nun mit einem Stücklein davon«, war des Kaspars Antwort, »kann ich euch wohl dienen. Kennt ihr die Geister der sieben Planeten?« »Nein«, war Justus Antwort; »die Planeten kenne ich, aber ihre Geister nicht.«

»Dann kann ich ihre Namen euch auch nicht nennen«, sagte der Schreinerkaspar, »wenigstens heute nicht, denn der Tag ist nicht günstig. Wisset nur vor der Hand, daß diese Geister es sind, die alle Witterung in der Luft wirken und zu der Geburt aller mineralischen, vegetabilischen und animalischen Essentien ihre Kräfte geben. Daher muß man mit solchen himmlischen Intelligenten in geheime Kundschaft treten, und beobachten, welcher Planet über irgend eine Kraft sein Dominium habe. Wenn ich nun weiß, welcher Planet regieret, so muß ich mich mit seinem Geist heimlich besprechen, welches geschieht, wenn ich mein Sinnen und Verlangen auf ihn richte. Dann theilt sich mir des Planeten Geist mit, welches sich kund thut durch ein Getön wie mit einer Schellen. Hörst du das, dann mußt du ein Glöcklein bei dir haben, damit du könnest die Losung geben, daß du zu hören bereit bist. Hiernächst wird dich bald eine Exstasis überfallen, in welcher

dir Alles gegeben wird, was du begehrest: Weisheit, Schätze, Güter. Das Glöcklein muß aber gar magisch bereitet werden. Auf seinem Schwengel muß stehen: Adonai, auf seiner Rundung: Tetragrammaton und auf seiner Handhabe: Jesus. Außerdem weiß ich noch Manches, aber erstlich darf ich's euch, als einem Uneingeweihten, nicht sagen, und dann versteht ihr's auch jetzt noch nicht, thut wenigstens so. Könnt ich euch für uns gewinnen, Schulmeister, ich weiß nicht, was ich euch zu Lieb' thäte; ihr wäret ganz unser Mann.«

»Wollt ihr mir was zu Lieb' thun, Kaspar«, sprach der Schulmeister, »so laßt's für heute genug sein mit dieser unnützen Rede. Mein Gewissen beißt mich schon, daß ich diesem gotteslästerlichen Gerede mein Ohr geliehen habe. Geht doch heim, Kaspar, und nehmt wieder Hammer und Säge, und arbeitet für Weib und Kind, die bereits auf der Bettelfahrt begriffen sind. Es ist ein großer Gewinn, wer gottselig ist und lässet ihm genügen, und im Schweiße des Angesichtes sein Brod isset; wer aber der Narren Geselle ist, und nach Schätzen sucht, der wird Unglück haben.«

»Schulmeister«, antwortete der Schreinerkaspar mit großer Heiterkeit, »stellt euch nicht so zimpferlich, wie ihr thut. Euren Unglauben nehme ich euch nicht übel, denn gerade so war es bei mir ehemals; aber ihr gerade solltet am wenigsten gegen das Schatzgraben etwas einwenden, da euch, wie ich weiß, die Güter dieser Welt eben so Noth thun, denn mir. Faßt einmal Muth und gesellt euch zu uns; gelingt, was wir eben vorhaben, dann sind wir Alle versorgt auf Zeit Lebens, und ihr mit, wenn ihr von der Compagnie seid.«

»Hab' ich euch je geklagt, Kaspar«, war des Schulmeisters Antwort, »daß es mir übel gehe, und je ge