daß du den rechten Versorger nicht vergissest, das Gebetbüchlein mit, das ich schon lange für dich abgeschrieben habe, wenn du uns einst verlassen müßtest. Wie es da drinnen steht, so hab' ich und mein Haus bis dahin dem Herrn gedienet, diene du ihm auch also, daß wir in einer Zunge und in einem Geiste zum Vater treten. Sei und bleib' in der Furcht Gottes, die der Weisheit Anfang ist. Fleuch die Lüste der Jugend, und schaffe mit deinen eignen Händen. Laufe denn mit Geduld in den Kampf, der dir verordnet ist, und wisse, es wird Keiner gekrönt, er kämpfe dann recht. Der rechte Kampf gibt die rechte Krone, und die sei dein und unser köstlich Gut, wenn wir uns wiedersehen. Der Gott deiner Väter, der niemals einen Justus verlassen hat, der segne und behüte deinen Aus- und Eingang um Christi willen. Amen.«

Wie nun die Schwestern, die Eine dieß, die Andere das noch in's Reisebündel hineingeschoben hatten, wie sie Alle unter viel Weinen am Halse des Bruders gehangen hatten; da kam auch der Schulmeister noch einmal herein und sagte: »Heinrich, nimm auch die Geige mit dir. Als Spielmann sollst du nicht durch die Welt reisen, denn das ist ein leicht verdient Stück Brod und gedeiht nicht. Aber wie David des Saul bösen Geist mit Saitenspiel dämpfte, so kann deine Geige in der Zeit der Noth manches Menschenherz weicher machen zur Liebe gegen dich.«


Eine Stunde vom Veitsberg, hart am Wege, der nach Gießen führt, liegt ein hoher, schlanker Berg, die Nonne geheißen. Von da aus übersieht man die ganze Gegend auf weit und breit. Lieblich ist der Ort und schattig durch hohe Kiefern. Diese Höhe bestieg Heinrich. Unter den herabhängenden Aesten sitzend, nahm er aus der Tasche das

Haus-Betbüchlein seines Vaters und schlug das Reisegebet auf. O wie ward ihm so wohl dabei! Es waren seines guten Vaters Worte, die er las, es war seines Gottes Wort, das ihm Trost in die Seele goß. Wie fest prägten sich die Worte seiner Seele ein: »Ich bitte Dich, erhalte mich bei Deinem Wort, daß ich nicht abweiche vom rechten Wege des ewigen Lebens. Führe mich auf den Steig Deiner Gebote und behüte mich vor unrechtem Glauben.« Wie herzlich ward sein Vertrauen durch die Worte des Gebetes: »Du wollest auch Deine heiligen Engel mir zugeben, ihnen Befehl thun, daß sie mich hüten auf allen meinen Wegen; daß sie mich führen auf rechte Straße, auch mich gesund und frisch wieder anheim zu den Meinigen bringen.«

Neu gestärkt erhob sich der Jüngling. Nun noch ein Blick auf die liebe Heimath, und dann hinaus auf die Wanderschaft!


16. Die Rache.

»Halt' still, mein Herz, dem lieben Gott,
Halt' ihm getreulich still!
Fahr' hin, du Welt, mit deinem Spott!
Mich tröstet Gottes Will'.

Halt' still, mein Herz, dem lieben Gott,
Mein Auge, weine nicht!
Ich weiß, daß hell durch Nacht und Noth
Vom Himmel kommt mein Licht.