Altmann nickte, ein wenig verlegen wegen Karlas Ton.
„Sag’ doch nicht immer Schmerzchen“, rügte Adele.
Altmann hatte sich so gefreut auf das Wiedersehen. Aber so ganz gemütlich war es nicht. Und er konnte es auch nicht übersehen, daß Adele sehr abgearbeitet aussah und der Schwager nervöser war als sonst. Er hatte seinen Leuten eben doch zuviel aufgebürdet! ...
In einem mittelgroßen, kühlen Zimmer, dessen Wände bedeckt waren mit gerahmten und ungerahmten Künstlerbildern, und dessen ganze Einrichtung aus einem Pianino mit vergilbten Tasten und einigen Rohrstühlen bestand, saß Karla.
Sie hatte ihr schwarzseidenes Kleid an, das wieder enger gemacht worden war, eine moderne hohe Frisur und kleine Stirnlöckchen, die ihr Gesicht, das sich in diesen letzten Wochen noch ein wenig mehr zugespitzt hatte, wieder runder erscheinen ließen.
Schmerzchen hatte entwöhnt werden müssen. Das hatte ihr viel körperliches Unbehagen und Kummer verursacht. Sie war noch nicht ganz darüber hinweg, daß Schmerzchen wie ein Gegenstand in der Culmstraße eingestellt wurde, während sie von der Gesangstunde zur Schneiderin und von der Schneiderin zu Luise Altmann lief, die ihr englischen Unterricht im Stownschen Hause gab.
Eine große Gesangmeisterin hatte aus Interesse an Karlas ungewöhnlicher Stimme für ein Honorar von ‚nur‘ zehn Mark für die Unterrichtsstunde Karlas „letzten Schliff“ übernommen.
„Es lohnt sich, liebes Kind.“