„Ta ta ta ... Nur kein Drama, bitte, Karla ... Du weißt, ich kann Tränen nicht leiden ... ich ...“

Er tupfte ihr ziemlich ratlos mit dem Tuch über die Wangen.

„Ich habe ja nichts gegen den Namen. Originell! Ich liebe, was originell ist. Schmerzchen — scharmant. Ich schicke Schmerzchen heute noch Schokolade. Zu jung — wie? Tja ... schwer, den Geschmack so kleiner Damen zu treffen .... Aber nach Amerika? Wahnsinn! Kunst und Kind — haben nur den ersten Buchstaben gemeinsam. Tja ... liebes Kind ... Künstlerin ... das ist ... das muß ein Wesen sein so zwischen Weib und Göttin. Nichts Irdisches ... sonst wird nichts draus. Haus ... Küche ... Windeln ... sehr ehrenwert, gewiß ... aber puah! Schon der Gatte zuviel ... viel zuviel .... Aber nicht unüberwindlich. Den elendesten Geliebten akzeptiert man eher als den trefflichsten Gatten! Das ist so! Eine Künstlerin ist Allgemeingut! Ein jeder muß glauben können, daß er sie für sich gewinnen kann. Das schafft Konkurrenz um sie herum, das gibt ihr Erfolg. So war es immer, und so wird es bleiben! Und wer’s nicht glaubt, der spürt’s am eigenen Leibe! Für den Anfang ist Altmann ganz gut. Netter, anständiger Kerl. Sieht gut aus. Ein bißchen Holzfigur — macht nichts. Zieh’ nur los mit ihm ... aber nachher — Vorsicht! ... Und Schmerzchen ... die hat ja ein paar Tanten ... vortrefflich. Die sollen sich nur um sie kümmern. Dazu sind Tanten da. Sei froh, daß du meine Einzige bist. Du kommst nicht in Verlegenheit, Tante zu werden! ...“

Er tätschelte ihre Wange und lachte mit seiner harten tenoralen Stimme vor sich hin.

„Jetzt muß ich aber zu meinen Schülern. Also ... pa, Kleine .... Wann fahrt ihr? Laßt mich’s wissen — ich komme dann zur Bahn .... Du, ich höre Pauline, die kommt vom Markt.“

Er tänzelte zur Tür.

„Was bringen Sie mir Schönes, Pauline, he?“

Karla sah durch die offene Tür, wie der Papa neugierig in der Markttasche herumstöberte; aber Pauline schubste ihn beiseite, als sie Karla erblickte.

„Die junge Frau ... das ist aber schön! Was macht denn unser Schmerzchen? ...“

Der Papa verschwand hinter der Saaltür, und gleich darauf ertönte eine Gavotte am Klavier und die scharfen, nasalen Kommandorufe des Papas, der mit einem langen dünnen Stock die Fußstellungen korrigierte, während er sich mit dem Oberkörper graziös hin und her wiegte. — — —