Schmerzchen blieb in Berlin. Selbst Pauline hatte zugeraten. Und sie hatte den Ausschlag gegeben. Altmann nahm einen Hundertmarkschein und drückte ihn Adele „fürs erste“ in die Hand.
„Wenn du auch sonst etwas brauchst ... ich bitte dich, halte nicht zurück damit. Ich werde dir ohnehin nie vergelten können, was du tust.“
Er kaufte ihr eine Winterjacke, da die ihre alt und recht schäbig geworden war. Luise bekam eine dunkelrote seidene Bluse. Auch für die Kinder fiel etwas ab: ein Tanzstundenkleid für Vicki und für Fritz ein Einsegnungsanzug. Wieder kamen zweihundert Mark zusammen. Karlas Ausstattung, die Anschaffung von Schiffskoffern, etlichen neuen Westen und Krawatten für ihn selbst — seine Anzüge fand er noch tadellos — das alles zusammen, mit einigen Ausgängen und einer Brosche für Pauline aus leichtem Gold, fraß doch ziemlich zwölfhundert Mark auf.
„Ach was,“ sagte Karla, „der Amerikaner hat eine offene Hand. Dem ziehe ich einen neuen Vorschuß wie nichts aus den Händen.“
Sie war, wenn nicht gerade die Verzweiflung über die bevorstehende Trennung von Schmerzchen sie packte, lustig und guter Dinge. Vicki begleitete sie oft zu den Schneiderinnen, und ihre Augen weiteten sich vor Staunen und Neid, wenn es auch nur recht bescheidene Stoffe und Zutaten waren. Aber die leuchtenden Farben, das Gleißen der billigen Seide und das Schillern der glitzernden Überwürfe raubten ihr fast den Verstand, weckten alle ihre schlummernden Begierden.
Karla hatte nicht viel eigenen Geschmack. Aber ihrer molligen Jugend und ihrer jetzt wieder frischen Gesichtsfarbe stand alles gut.
Auf dem Heimwege trat sie mit Vicki in eine Konditorei ein und ließ Vicki „aussuchen“.
„Tante, du bist himmlisch! ...“
Die Zeiten hatten sich geändert. Und Karla durchlebte die neuen mit frohem Genießen, ohne viel nachzugrübeln. Wenn Vicki vor Entzücken zerfloß beim Anblick eines Bandes oder eines Gürtels, dann kaufte Karla es ihr.
„Sei nur recht gut zu Schmerzchen, Vicki, wenn ich nicht da bin.“