Und Vicki lachte nicht mehr über den Namen, sondern nannte ihn auch. Meist ging Altmann mit Karla aus. Schon, damit sie nicht zuviel „verläpperte“. Aber im Grunde war sie keine Verschwenderin. Jetzt, da ihr bescheidener Luxushunger gestillt war, blieb ihr nur eine kleine Genäschigkeit: Mohrenköpfe und Windbeutel verschwanden in großen Mengen in ihrem Magen, und es kam nicht selten vor, daß sie sich ein viertel Pfund Konfekt oder Schokolade kaufte und heimlich aus der Tüte naschte.

Das hatte sie wohl von ihrem Vater.

Ihre frohe Stimmung hielt selten lange in der Culmstraße an. Immerhin machte sie Adele gern diese oder jene Freude. Mehr um sich der Dankesschuld zu entledigen, als um Dankbarkeit zu beweisen. Wie ein Schulmädchen aber freute sie sich, Luisens strenger Aufsicht zu entfliehen. Mit dem alternden Mädchen verband sie noch weniger Gemeinsames als mit Adele. Vielleicht war es das Antikünstlerische dieser zwei kleinbürgerlichen Frauennaturen, wodurch sie ihr unbewußt immer fremd blieben.

Pauline war die einzige.

Aber Adele hatte erklärt, Pauline wäre ja sehr nett, doch immerhin ein Dienstbote. Wenn „der Papa“ es gestattete, daß sie mit am Tische saß ... so konnte das doch nicht maßgebend für eine Frau Dr. Maurer sein!

Abends sang Karla, und Altmann begleitete sie. Adele hatte noch allerlei in der Wirtschaft zu tun, Dr. Maurer aber saß in einem Sessel und ließ Karlas Stimme über sich hinfluten. Manchmal brannte sie ihn wie Feuer, dann wieder erfrischte sie ihn wie eine kühle Brise.

Wenn sie aufhörte, fragte er: „Willst du nicht weitersingen?“

Sie hörte die Bitte heraus und lächelte. So ein guter Kerl war der Alwin — so ein dummer, guter Kerl!

Ihm zu Liebe sang sie sogar Schubert. Aber dann meinte sie jedesmal:

„Mir ist, als ob ich ein ausgewachsenes Kleid anhätte, wenn ich Lieder singe.“