Auch als Gatte fühlte er sich verpflichtet, zu dämpfen.

Gerade als ihr Gatte. Ihre Stimme mußte geschont werden, ihre Frische. Er bezwang auch viel in sich selbst ... Er meinte es wirklich gut mit ihr.

Eines Tages brachte Karla eine halbverhungerte Katze nach Hause. Sie gab ihr warme Milch und ließ sie nicht von ihrem Schoß. Sie übte auch nicht an diesem Tage, sondern streichelte immer nur das struppige graue Fellchen. Abends machte sie ihr ein Körbchen zurecht, füllte es mit weichen Lappen, legte ein Taschentuch darüber.

„Niedlich ... wie ein Kindchen“, sagte sie und lächelte versonnen.

Altmann gab es einen Ruck. Das Wort Kind traf sein Ohr wie ein greller Pfiff.

Das „Kind“ hatte er nicht mit einbegriffen in den sorgsam ausgearbeiteten Plan der nächsten Jahre. Er fand mit dem besten Willen kein Eckchen und keine Zeit, wo es einzuschachteln wäre. Er stand knapp vor dem Abschluß mit Bremen für Karla. Das war ein großer Fortschritt. Gegen Ende der nächsten Spielzeit waren mehrere Gastspiele von ihm vorgesehen: in Lübeck, Danzig. Mit Hamburg stand er in eifrigen Unterhandlungen. Er hoffte sehr, daß das Hamburger Gastspiel zu einem Engagement führen werde.

Wie Ameisenkribbeln spürte er es im Rücken. Eine ihm sonst fremde Nervosität bemächtigte sich seiner.

„Wie fühlst du dich, Karla? Ist dir gut?“

Sie blickte erstaunt. Warum sollte ihr nicht gut sein? Dann lachte sie wieder mit drolliger Heimlichkeit, nahm das Kätzchen von seinem Lager, wickelte es in das Tuch und schaukelte es in den Armen.

„Schlaf, mein Kindchen, schlaf ...“