„Weg von da ... Bühne frei!“ schrie er.

Das Tosen draußen schien noch zuzunehmen, harte Gegenstände fielen polternd und klirrend auf das Rampenblech. Altmann stürzte vor, fand, geblendet von dem Licht, nicht gleich Karlas Hand, packte sie bei den Schultern, riß sie zurück. In diesem selben Augenblick fühlte er einen kurzen, heftigen Stoß am Arm; Karla schrie auf und schlug zur Seite. In ihrem weiten, weißen Ärmel war ein kleines, kreisrundes Loch eingesengt.

Der Vorhang fiel krachend herunter.

Kapelle war mit einem Satz auf seinen Dirigentenstuhl gesprungen. Seine krächzende, häßliche Stimme schleuderte einige nicht wiederzugebende englische Schimpfworte zu den oberen Rängen hinauf.

Es wurde totenstill im Haus. Die Luft schien wie erstarrt. Altmann trug seine Frau in die Kulissen. Seine linke Hand blutete, und das Blut rötete in großen Flecken Karlas weißes Kleid.

„Es ist mir nichts geschehen ... gar nichts“, beruhigte er.

Die Wegler stand hinter einer Kulisse in der letzten Gasse. Wie im Fieber schlugen ihre Zähne aneinander. Der Skandal hatte eigentlich ihr gegolten. Und die Kugel? Gewiß hatten die draußen den Altmann für John Russel gehalten.

Vor der Rampe hielt jetzt John Russel eine Ansprache. Er sprach ruhig, ironisch, warf ein paar verwegenen Jungens, die ihn von oben mit ihren schwarzen Gesichtern angrinsten, eine Herausforderung zu. Er wohne da und da ... Straße ... Hotel ... Zimmernummer. Sie sollten mit einem Unparteiischen zu ihm kommen, wenn es sie gelüstete. Er würde schon Rede und Antwort stehen! Er fürchtete sich nicht ... da!

Und mit einem Ruck schob er den Ärmel seines Rockes hoch, riß den Hemdärmel auf und zeigte seinen tätowierten Arm. Nur Muskeln und Narben sah man. Narben von Biß-, Stich- und Schnittwunden.

„Kommt immer ran ... wenn ihr euch traut! Aber euch an einer Frau vergreifen ... eine Frau in Angst jagen ... der Dirigent hier hat recht ... eine ... seid ihr ... beg your pardon, ladies!“