Sie bediente ihn mit feiner, lautloser Grazie. Er war ja doch der einzige „Herr“ von der ganzen Gesellschaft, und er hatte so viel „charme“, wenn er lächelte. Sie war es gewöhnt, den Männern dienstbar zu sein, die sich ihres Gefallens erfreuten. Es war nichts Besonderes dabei für sie. Aber er wurde fast verlegen, und wenn ihre Händchen wie kleine weiße Vögel über die Gegenstände huschten, dann blickte er geflissentlich zum Fenster hinaus, als wollte er das bunte Treiben der Straße heraufziehen in den stillen Dämmer des Zimmers und es zwischen sich und die so aufdringlich emsigen kleinen Hände schieben ...
Um sechs kam der Theaterdiener. Ob denn Frau König wirklich nicht singen würde? Karla war gerade eingeschlafen; Altmann kämpfte mit sich, ob er sie wecken sollte. Aber es war ihm etwas Peinliches daran. Wenn er nichts anderes tun konnte in dieser Zeit, so mußte er wenigstens auf ihre Gesundheit bedacht sein.
„Sagen Sie, meine Frau ist nicht imstande.“
Mochte die Wegler singen ... es würden sich schon Mittel und Wege finden lassen, das Publikum zu verständigen, wenn sie die falsche Karla König auspfiffen.
Aber sie pfiffen sie gar nicht aus. Nur sehr lau war der Abend. Nach den Aktschlüssen gab es immerhin zwei, drei Hervorrufe, die der Gesamtleistung galten. Als aber Karla König am übernächsten Tage auftrat, da empfing sie ohrenbetäubendes Johlen und Pfeifen. Schlüssel, Papierknäuel flogen um ihren Kopf ... Sie stand da — zitternd, bleich, mit großen erschreckten Augen. Das Orchester brach ab. Kapelle schrie zu ihr hinauf:
„Nicht abgehen ... nicht abgehen!“ ...
John Russel hielt die Vorhangschnur.
„Vorhang herunter“, rief Altmann, der bis in die Lippen weiß war. „So lassen Sie doch den Vorhang herunter ...“
„Jawohl, damit mir die Kerls die Bühne in Klump schlagen?!“ ...
Die Mitglieder waren zusammengelaufen und scharten sich bleich und erregt um John Russel.