Altmann führte Klingelzeichen ein, denen unbedingt Folge zu leisten war, und Strafzettel.
Es gab eine Revolution. Karla konnte sich nirgends sehen lassen. Die einen kamen mit Bitten, die anderen mit Beschwerden; die Nordeni drohte, alles im Stich zu lassen. Der Tenor sagte gar nichts, aber kehrte sich auch an nichts.
In einigen südamerikanischen Städten hatte sich die Sitte eingebürgert, daß die Stammgäste des Theaters in den Zwischenakten auf die Bühne kamen. Einige von ihnen brachten ihre farbigen Diener mit und ließen Eis, Konfekt und allerlei drinks servieren. Altmann konnte es bei John Russel nicht durchsetzen, daß er „diesem Unfug“ ein Ende machte. Mit finster zusammengezogenen Brauen sah er, wie selbst Karla lachend die Aufmerksamkeiten dieser Herren annahm.
Eines Abends fand er sie, wie sie in der einen Hand eine riesige Konfektschachtel, in der anderen ein Glas Sekt hielt. Er trat näher — in seinem alten Arbeitsjackett und der glühenden Hitze wegen ohne Kragen. Er mochte nicht ganz nahe herangehen, aber er hörte, wie Karla sich in französischer Sprache unterhielt. Neben ihr stand Mariette, gleichsam, um an ihrem Kostüm etwas zu stecken, in Wirklichkeit aber, um Karla auszuhelfen, wenn sie mit ihren jungen Kenntnissen nicht weiter wußte. Es dauerte nicht lange, so hielt auch Mariette ein Sektglas in der Hand, und die Herren teilten ihre Aufmerksamkeit zwischen ihr und Karla.
Altmann schoß das Blut zu Kopf. Wie benahm sich Karla? ...
Er stelzte über die Bühne, klatschte in die Hände, warf den Arbeitern die englischen Brocken zu, die er kannte. Es wurde lärmend, die Kulissen wurden heruntergelassen, die Versatzstücke geschoben. Die Herren blickten auf die Uhr ... Sie dachten nicht daran, sich ihr Recht verkürzen zu lassen. Einer von ihnen rief den Arbeitern etwas zu, worauf sie sofort ihre Tätigkeit einstellten.
„Karla,“ rief Altmann, „Karla ... augenblicklich kommst du her!“ ..
Sie sah sich nach ihm um, das Glas wäre ihr vor Schreck fast aus der Hand gefallen.
„Aber Ernst ... was ist denn?“ ...
„Ich verbiete dir ... hörst du! Ich verbiete dir ...“