Ihre Augen sahen ihn bittend an. Er nickte.

„Ich will trinken ... aber darauf, daß Sie keine ‚Primadonna‘ werden. Auf Ihr Singen trinke ich ...“

Er nahm einen langen Schluck, reichte den Kühler seiner Nachbarin und sank wieder in sich zusammen.

In Lima erkrankte der Inspizient. Altmann sprang für ihn ein. Die Mitglieder sahen darin nur eine selbstverständliche Kollegialität, und in den ersten Tagen regnete es Scherze aller Art, wobei ihm jeder sein Amt nach Tunlichkeit erleichterte. Als aber die Krankheit des Inspizienten sich verschlimmerte, mußte Altmann auf dem freiwillig übernommenen Posten bleiben.

Karla, die erst gelacht und ihm aus Jux vor allen augenfällig einen Dollar in die Hand gedrückt hatte, mit der Bitte, „sie ja zur Zeit ’rauszuschicken“, ärgerte sich jetzt.

Je länger „die Maskerade“, wie sie das nannte, währte, desto mehr gewöhnten sich die Mitglieder daran, in Altmann wirklich nur den Inspizienten zu sehen. Wofür sie anfänglich übertrieben gedankt hatten, das verlangten sie jetzt mit aller Rücksichtslosigkeit.

Er merkte das nicht gleich. In ihm überwog die Freude an Tätigkeit, die er so lange entbehrt hatte. Seine Ordnungsliebe und Gründlichkeit fanden plötzlich ein weites Arbeitsfeld, und da er die eingerissenen Unarten als Inspizient nicht ahnden durfte, verlangte er von Russel die Machtstellung eines „zweiten Regisseurs“.

„Die Macht können Sie sich nur selbst geben, Mister Altmann. Aber wenn Ihnen mit dem Titel gedient ist — bitte sehr.“