Sie kannte diese Stimme: kalt, leidenschaftslos, mit einem Unterton tiefen Gekränktseins. Wie ein gescholtenes Kind wendete sie sich ab und verließ die Bühne. Altmann ging mit dem Armband auf den bezeichneten Herrn zu.
„Hier, mein Herr ... solche Huldigungen sind einer Dame vom Varieté gegenüber vielleicht am Platz ... nicht hier. Meine Frau dankt und schickt Ihnen das zurück.“
Der Herr blinzelte Altmann, der unbekümmert darum, ob er verstanden wurde oder nicht, Deutsch gesprochen, vertattert an. Mariette, die Deutsch verstehen konnte, übersetzte. Sie hatte feuerrote kleine Ohren, und fuhr sich mit ihrem spitzen Zünglein über die Lippen, als schlecke sie eine besondere, letzte Süßigkeit auf.
Altmann hatte eine knappe Verbeugung gemacht und sich entfernt. Der Armreif baumelte über drei Fingern des spitzbärtigen Herrn, während Mariette ihren Dolmetscherdienst versah. Als sie fertig war, sahen die Herren einander an — und prusteten vor sich hin.
„Pour votre peine“, sagte der mit dem Spitzbart, und legte den Reif um Mariettes schlanken, weißen Arm. In diesem Augenblick stob aber auch schon die Gruppe auseinander, weil von oben ein Prospekt mit rasender Geschwindigkeit herabgelassen wurde.
Mariette blieb allein. Sie sah um sich, spähte nach Altmann aus.
Nie hatte er ihr so gut gefallen wie eben jetzt. Weiß der Himmel ... schön hatte er nicht ausgesehen in dem alten Röckchen und ohne Kragen ... aber wie er das Armband zurückgegeben hatte ... da lag etwas über ihm ... etwas Nobles, Männliches ... Keiner von der Gesellschaft hätte das getan! Es war eben doch der einzige „Herr“ ... Sie nahm den Reifen ab und verwahrte ihn in ihrer Tasche. Altmann brauchte ihn nicht an ihrem Arm zu sehen — —
Schmerzchen war zwei Jahre alt geworden. Sie lief in den Zimmern umher und warf die Spielsachen, die sie bekommen hatte, vor sich her.