Tante Adele kam und gab Schmerzchen einen Klaps. Und als Schmerzchen nicht verstand — einen zweiten. Der brannte mächtig, und Schmerzchens Hand wurde ganz rot. Aber Schmerzchen weinte nicht. Schmerzchen hatte Charakter.

Sie hatte die Altmannschen geraden Brauen, was man von Fritz und Vicki nicht behaupten konnte. Adele fettete Schmerzchens Brauen jeden Abend mit Lanolin ein, damit sie recht dicht und glänzend würden. Schmerzchen aber rieb das Lanolin in ihrem Bettchen wieder ab und lutschte dann an den Fingern. Lanolin schmeckte sehr gut.

Wenn Schmerzchen ihre Weltanschauung durchaus nicht mit der ihrer Tante vereinbaren wollte, dann hieß es: „Was wird Mama sagen, wenn du so unartig bist? Gleich wird Mama kommen und hauen.“

Aber Mama kam nicht. Kam auch nicht, als Schmerzchen es einige Male geradezu darauf anlegte, die Mama mit einer Rute herzuzaubern. Tante Adele konnte es wohl nicht abwarten, bis Mama kam, denn sie selbst griff zur Rute. Schmerzchen protestierte so energisch gegen diesen Übergriff, daß Dr. Maurer aus seinem Zimmer trat. Die Rute sehen, sie zum Fenster hinauswerfen und Schmerzchen auf seinen Arm nehmen, war das Werk eines Augenblicks.

Es gab an diesem Tage großes Geschrei zwischen Tante Adel und Onkel Al, aber die Rute zierte nun nicht mehr den Spiegel in Schmerzchens kleinem, neben der großen Schlafstube gelegenem Zimmer.

Heute hieß es nun, Mama schicke ihrem Mädelchen viele, viele Küsse.

„Und was noch?“ fragte Schmerzchen, die Realpolitik trieb.

Adele versuchte ihr klar zu machen, daß Mama sehr, sehr weit wäre und daher nichts schicken könnte.

„Mama ist tot“, sagte Schmerzchen entschieden und gleichmütig.

Da steckte das Dienstmädchen dahinter! Alwin Maurer lief selbst in die Küche und machte „Krach“.