Um das, was sie verschenkt hatte, war ihr nicht leid. Aber sie fühlte, daß sie zu weit gegangen war. Denn Altmann setzte sich, grau vor Ärger, weit weg von ihr, an das äußerste Ende der Tafel. Als das Eis herumgereicht wurde, erklangen aus dem Nebensaal laute Hochrufe.

„Was ist denn dort los?“ fragte Russel den Hotelleiter, der nach altem Herkommen immer um diese Zeit seine zweite Runde um die Tische machte.

„Don Pedro de Santos feiert seine Verlobung mit dem französischen Fräulein ...“

„Mit Mariette?“ schrie der ganze Tisch auf.

In dem Lärmen und Lachen, das jetzt einsetzte, blickte Karla zu ihrem Manne hinüber. Er hatte noch immer dieselbe graue Farbe, aber er nahm sehr ruhig von dem Ananaseis, das ihm angeboten wurde, und nur der Löffel fiel schneller herab, als er gedacht hatte, denn der feine Teller zersprang klirrend mitten durch ...

Und gleich darauf kam die Nordeni. Ihr eiergelbes Brokatkleid rauschte über das Parkett, ihre Juwelen funkelten, bereichert um einen Brillantschmetterling, den ihr Don Pedro als „Trostpreis“ verehrt hatte.

Sie war sehr blaß unter der stärker als sonst aufgetragenen Schminke und schien sehr erschöpft.

Russel machte ihr Platz neben sich — aus alter Gewohnheit, und schenkte ihr ein Glas Sekt ein. Der ganze Tisch bestürmte sie mit Fragen.

„Ja ... ja ... es kam sehr plötzlich ... obwohl ... ja, ich muß sagen ... ich habe mir gleich so etwas gedacht. Die de Santos sind sehr impulsive Menschen ... sehr impulsiv und leidenschaftlich. Ich habe Mariette zugeredet! Das kann ich wohl behaupten, sehr zugeredet! Der Mann ist vielfacher Millionär ... Die Kleine macht ihr Glück! Sie ist ehrlich ... ganz ehrlich, und läßt ihn fühlen, daß er ihre Liebe erst erringen muß ... Merkwürdig, wie so ein kleines Ding den Instinkt mitbekommt für das, was wirkt ... Für mich ist es ein großer Verlust ... ich liebte sie ... wie eine Tochter ... das kann ich wohl sagen ... Sie wird mir sehr fehlen! Sehr! ... In vierzehn Tagen soll die Hochzeit sein.“

Sie atmete schwer auf, erhob sich und reichte Karla über den Tisch die Hand.