De Santos lud alle ersten Mitglieder der Russelschen Gesellschaft zur Trauung ein, die nach Art der eleganten Trauungen jener Zeit um Mitternacht stattfinden sollte.

Der größte Teil der Gesellschaft wohnte an dem Hochzeitsabend der Opernvorstellung bei. Die Damen, in tief ausgeschnittenen Kleidern, mit all ihren Juwelen behangen. In einer der Mittellogen prangte die Nordeni, blaß, effektvoll, glitzernder als alle Millionärinnen ringsherum. Gegen zehn erschien de Santos in ihrer Loge, im Frack und weißer Binde wie alle Herren. Aber mit einer weißen Orangenblüte im Knopfloch.

War die Aufmerksamkeit an jenem Abend — trotz Karlas wundervoller, von jeder Schablone abweichenden Leistung als Leonore im Troubadour — sehr geteilt, so wendete sich das Publikum beim Erscheinen de Santos’ fast wie auf Verabredung der Loge der Nordeni zu.

Karla sang ins Leere, wie sie vor bald drei Jahren bei Astrongs ins Leere gesungen hatte.

Ihre Gottheit war entthront, eine andere, wenigstens für die Dauer von ein paar Stunden, an ihre Stelle erhoben. Diese Gottheit war — Mariette. Ihr weißer Brautschleier wallte unsichtbar über dem stets nach neuen Aufregungen dürstendem Publikum.

Als de Santos die Loge verließ, war es mit der Ruhe im Hause zu Ende. Karlas große Sterbeszene ging unter im Klappern der Sitze, im Zuschlagen der Türen, im Zischen der billigeren Plätze, die ihr teures Geld nicht umsonst geopfert haben wollten. Eine kleine Balgerei am Ausgang, wobei einigen Herren die Zylinder eingeschlagen wurden und eine Dame laute Schreie ausstieß, steigerte die Flucht des Publikums zu einer panikartigen.

Kapelle klopfte ab, drückte auf den elektrischen Knopf am Pult, und mitten in einem unaufgelösten Akkord hörte das Orchester zu spielen auf, fiel der Vorhang herab.

Bleich, mit zornfunkelnden Augen, in ihrem schwarzen Samtkostüm, stand Karla vor John Russel.

„Was ist das? ... Wollen Sie mir nicht sagen, was das ist?“

„Well ... das ist Brasilien, weiter nichts, und die Hochzeit von Mademoiselle Mariette ...“