„Du bist albern, liebes Kind, und recht geschmacklos. Es gibt Dinge, die eine Frau, die Herz und Geschmack hat, nie mehr berührt.“

In seinem Innern war er aufs tiefste empört über Mariettes Verlobung. Seine Eigenliebe hatte die böseste Schlappe davongetragen. Er hatte sich von ihr nasführen lassen, war ins Garn gegangen wie ein dummer Gimpel.

Karla mußte doch fühlen, zum Donnerwetter, daß sie nie mehr daran rühren durfte, daß sie ihm nicht zu verzeihen, sondern ihn zu schonen hatte. Das wenigstens hatte er doch um sie verdient! Weil eine Aussprache von Tag zu Tag unmöglicher wurde zwischen ihnen, wurde die Kälte immer größer.

Karla hatte gerade jetzt und gerade hier so große Erfolge, wurde so dringend überall eingeladen, daß ihr zum Glück nicht viel Zeit blieb, sich das Gesicht ihres Mannes immer genau anzusehen. Nur die anderen empfanden den immer verschlossen und gleichsam beleidigt dreinblickenden Mann, dem sie als dem Gatten der gefeierten Primadonna die Hand drücken, den sie an ihrem Tisch sehen mußten, als eine nicht sehr willkommene Beigabe.

Die göttliche Frau mußte steinunglücklich an der Seite dieses Menschen sein! Einzelne Damen suchten sie zu einer vertraulichen Aussprache zu bewegen. Aber Karla hätte sich eher der letzten deutschen Choristin offenbart als den übereleganten, leichtfertigen, vergnügungssüchtigen Kreolinnen. Überall, wo sie hinkam, erzählte sie von Schmerzchen. Aber da sie so wenig von ihrem Kinde wußte, sprach sie nur von ihrer Sehnsucht und von ihrem Zukunftstraum, das Kind zu sich zu nehmen und nie mehr von sich zu lassen.

Die Damen hatten sich bald ihre fertige Meinung über Karla gebildet. Sie war eine große Künstlerin. Aber dumm — dumm! ... Es war unmöglich, mit ihr über etwas Vernünftiges zu sprechen. Die Nordeni war entschieden unterhaltsamer.

Und diese selben Frauen, die ihr an dem ersten Opernabend ihren Schmuck zugeworfen, ihre Herzen ihr unter die Füße gelegt hatten, weil ihre herrliche Stimme die leidenschaftlichsten Gefühle in ihnen erregt hatte, wußten mit dem Menschen in ihr nichts anzufangen.

Sie stellten Karla ans Klavier und ließen sie singen. Dafür bezahlten sie sie fürstlich. Und abends trugen sie ihre Begeisterung für die Künstlerin zur Schau, bezahlten sie mit dem Zerreißen ihrer Handschuhe und dem Wehen ihrer Taschentücher.

Mit der Nordeni plauderten sie. Und wenn sie sang, plauderten sie auch. Die Braut des Don Pedro de Santos aber erwarteten sie in ihrer Mitte mit der bewegten Neugierde, die einer geborenen Pariserin und der Vertrauten einer Primadonna gebührte.

Die Hochzeit war ein Ereignis für die Stadt.