Sie stürzte zur Tür.

„So schmink dich doch wenigstens ab ... so kannst du doch nicht herauslaufen.“

„Ja ... ja ... aber komm mir nicht nah’ ...“

Ihre Zähne schlugen aneinander wie im Fieber, ihre Hände bebten. Sie fuhr sich mit dem Tuch zwei-, dreimal übers Gesicht.

„So ... so ... so. Nun ist’s gut. Gut genug.“

Sie schlang ihren schwarzen Spitzenschal um den Kopf und zerrte ein Ende über ihr gerötetes, verweintes Gesicht.

„Du willst mit dem Kostüm auf die Straße?“

„Ja, mit dem Kostüm! Ich habe nicht Lust, jetzt den Hochzeitsgästen zu begegnen ...“

Sie riß Altmann ihren Umhang aus der Hand und warf ihn über den schwarzen Samt. Sie lief an ihm vorbei aus der Tür. Er folgte ihr, rasch, entschieden — besorgt, daß sie Unheil anrichten könnte in ihrer Aufregung. Vor dem Ausgang standen mehrere Wagen. Nur nach Hause in ihr Zimmer ...! Sie sprang aus dem Wagen, noch bevor er vor dem Hotel recht gehalten hatte. Ihre Füße traten weich. Ein purpurroter, breiter Teppichstreifen führte aus der offenen Halle durch den taghell erleuchteten Vorgarten bis zur Bordschwelle.

Sie lief neben dem Teppich her, nur um nicht etwa die Stelle zu berühren, über die der Fuß „dieser Person“ schreiten würde. Eine Reihe eleganter Wagen hielt in einiger Entfernung von dem Gitter; in der blendend erleuchteten Halle standen mehrere Herren im Frack. Sie eilte an ihnen vorbei, um, so rasch sie ihre Füße trugen, ihr Zimmer zu gewinnen. Aber als sie schon auf der zweiten Treppenstufe stand, mußte sie wieder zurücktreten. Denn ihr entgegen kamen vier junge Mädchen in weißen Spitzenkleidern mit blauen Schärpen, und hinter ihnen schritt de Santos, sehr ernst, sehr feierlich, und an seinem Arm Mariette, in schwerem, weißem Atlas, ein Orangenblütenkrönchen, das Symbol der Unschuld, auf dem hochfrisierten Haar, dessen brennendes Rot von den weichen, duftigen Falten eines kostbaren Brautschleiers umflossen war. Vier kleine Knaben, in weißseidenen Matrosenanzügen, trugen die mit Orangenblüten besäte breite und endlos lange Schleppe. Die Nordeni mit ihrem funkelnden Geschmeide, ein fast unwahrscheinlich blitzendes Diadem im schwarzen Haar, die Schultern kaum bedeckt von einem neuen, kurzen Hermelinkragen, beschloß den Zug.