„Sag’ Ernst ... kannst du ihn denn nicht bewegen, mich frei zu lassen? Ist es denn gar nicht möglich?“
Altmann zerbiß sich die Lippe, wußte nicht recht, was er ihr antworten sollte. Schließlich gestand er ihr, daß er den Vorschuß wohl allenfalls zurückzahlen könnte von dem, was er bei Seite gelegt hätte, aber Russel spräche bereits von einer Verlängerung des Vertrages auf ein Jahr ...! Karla sollte das Doppelte der Gage haben und nicht über das nördliche Amerika hinauskommen. Russel ließ sogar durchblicken, daß er allenfalls auch den Vorschuß streichen wollte. Hielt nur mit einem bestimmten Versprechen zurück, um nicht einen letzten guten Schachzug frühzeitig aus der Hand zu geben. Er, Altmann, war sehr geneigt, mit Russel einig zu werden, denn ob Karla nun das Kind wiedersah, wenn es drei oder vier Jahre alt war, das konnte doch wirklich in einer so ernsten Frage nicht mitspielen. Aber es war wirklich nicht gleichgültig, ob sie zwanzigtausend mehr oder weniger heimbrächten.
„Das ist mir aber völlig gleichgültig“, meinte Karla mit zuckenden Lippen.
Altmann wurde ungeduldig.
„Ja, liebes Kind, du sorgst dich ja auch nicht um das Weitere, überläßt alles hübsch mir.“
„Wir werden nicht verhungern ... Schließlich nimmt mich jetzt jede Bühne ...“
Es war ihr erster ernster Widerstand.
Er traf ihn doppelt fühlbar nach den langen Wochen bedingungsloser Unterwürfigkeit. Kalter Zorn erfüllte ihn, versteinerte seine Züge. Das Geld, das er Monat auf Monat zurückgelegt hatte, das gab er keinesfalls heraus — nur um eine Laune, eine kindische Sehnsucht zu befriedigen!
„Glaubst du, ich möchte nicht auch mein Kind sehen? Meine Geschwister? Ich beherrsche mich eben.“
Sie schüttelte den Kopf, müde, erschöpft von all den Gegenreden, die sie wortlos innerlich gehalten hatte.