„Geld meinen Sie? Nein, Kapelle ... Geld haben wir nicht ... so viel nicht. Auf der Reise geht doch eine Menge drauf ... Russel sagte letzthin ... so eine erste Rundreise wäre nie lohnend. Erst die zweite brächte auch wirklich was ein.“

„Ja, das sagt er immer“, schnitt Kapelle trocken ab.

„Aber ich möchte nicht, Kapelle ... Noch einmal da herunter ... noch einmal dieselben Hotels, dasselbe Publikum ... Unterdes wächst mein Kind heran. Weiß nicht mal, wie ich aussehe ...“

„Und Ihre Stimme geht flöten ... ja ... oder Sie verschlampen ... Gestern ... glauben Sie, es war schön, wie Sie gesungen haben? Für die Idioten hier noch zehnmal zu gut — aber für uns zwei ... war es schön?“

Karla schoß das Wasser in die Augen.

„Ich weiß nicht ... ich hör’ mich nicht mehr ... ich hab’ keine Freude an mir.“

Sie hatte keine Freude an sich mehr. Das war es. Es konnte ihr auf die Dauer nicht gleichgültig sein, vor wem sie sang und was. Immer dieselben fünf, sechs Partien. Das machte sie krank.

„Glaubst du, es macht mir Vergnügen, den Inspizienten zu spielen?“, meinte dann Altmann, „immer dasselbe zu sagen und zu tun? ... Das Leben ist eben keine Freuden-, sondern eine Pflichtenkette.“

Seit Karla ihm an der Bahre der Nordeni so triebhaft um den Hals gefallen war, hatte er seine Autorität ihr gegenüber langsam wieder zurückzuerobern versucht. Es fiel ihm nicht schwer. Karla war weicher, fügsamer denn je in dieser ersten schweren Zeit ihrer Niedergeschlagenheit. Sie klammerte sich an ihn mit aller Kraft ihrer verängstigten Seele, ordnete sich ihm unter, mit aller Dankbarkeit für das Schicksal, das ihr in ihm einen Beschützer und Beschirmer gegeben. Er aber erstarkte an ihrer Schwäche und fand, daß die einzige Möglichkeit für ihn, über die demütigende Erinnerung an sein Verfehlen hinwegzukommen, in einem fortab noch lebhafteren Betonen ehrbar bürgerlicher Grundsätze lag.

Einmal brach sie in Tränen aus.