Sie sah, wie seine schlanken, jetzt ein wenig hageren Hände langsam und bedächtig den falschen Kniff glätteten und den Scheck pedantisch falteten. Sie mußte an die kurze, breite Hand denken, die ihn ihr so achtlos zugesteckt hatte.

„Ich soll ihm schreiben: ja oder nein“, sagte sie leise und blickte von unten herauf zu ihrem Manne herüber.

Er wich ihrem Blick aus, kam aber langsam auf sie zu, legte den Arm um sie.

„Denk an diese Stunde, Karla ... vergiß sie nicht. Ich bringe dir ein Opfer ... ein großes Opfer. Ich schlage eine Stellung aus ... wie sie mir vielleicht nicht zum zweitenmal geboten wird ... Ich tue es um deinetwillen, ordne meine Laufbahn der deinigen unter ... mehr kann ein Mann für seine Frau nicht tun; und es mag sein, daß mich andere Männer darum weniger schätzen werden. Aber ich will jetzt nicht daran denken. Will nur an dich denken! Glaube mir ... so gut wie ein anderer, und sei es auch Kapelle, so gut meine ich es mindestens mit dir!“

Seine Stimme hatte den gedämpften, überzeugenden Klang, den Karla einst so geliebt hatte an ihm. Es war die Stimme aus der Zeit, da sie widerspruchslos zu ihm aufgeblickt hatte wie ein scheues, kleines Mädchen, da sie von ihm allein Glück und alles Heil der Welt erwartet hatte.

Sie zog seine Hand über ihre Schulter und lehnte ihre Wange an.

„Lieber Ernst ... lieber, lieber Ernst ...“

„Schreibe also deinem Freunde Kapelle — ja.“

„Lieber ... Guter ...“

Er fuhr ihr streichelnd über das braune Haar und drückte gleich darauf beschwichtigend seine Hand auf ihren Kopf.