Altmann atmete schwer. Er zernagte seine Unterlippe. Er stand plötzlich vor Entscheidungen und Verhältnissen, denen er sich kaum noch gewachsen fühlte. Über seinen Kopf hinweg hatte ein Dritter über sein und Karlas Leben verfügt. Wo blieb er? ... Würde es ihm möglich sein, in Berlin auch für sich eine Stellung zu finden? Hier — hatte er sie, wähnte, sie sich erkämpft zu haben durch Fleiß und peinliche Erfüllung freiwillig übernommener Pflichten. Er war stolz darauf. Soviel hatte er in Europa nie verdient, wie Russel ihm hier anbot. Zehntausend Dollar jährlich und — kleine Beteiligung! Dazu Direktortitel! So etwas schlug man doch nicht in den Wind ... Freilich ... Berlin! Seine Leute ... Luise ... Luise vor allen. Wohin mit ihr? Die Stowns kehrten im Herbst nach England zurück, hatten Luise freundschaftlich nahegelegt, sich nach einer anderen Stellung umzusehen! Darüber schrieb Adele eben einen acht Seiten langen Brief. Luise war zermürbt. Sollte sie wirklich in ihrem Alter noch bei fremden Menschen ihr Brot suchen? Wäre es nicht das Beste, Richtigste, sie würde Schmerzchen erziehen und Karlas Haushalt führen? Denn es war doch anzunehmen, daß sie beide nach Ablauf ihres Vertrages nach Deutschland zurückkehrten. Luisens Platz war in ihrem Hause. Karla konnte Gott danken, daß das Schicksal es so gefügt hatte.

Er war aufs tiefste bewegt gewesen von diesem Anruf seiner brüderlichen Pflicht. Flüchtig hatte er bereits daran gedacht, eine Wohnung für Luise und das Kind zu mieten, ihnen eine kleine Wirtschaft einzurichten ...

Nun kam Karla mit dem Berliner Antrag ... Glückselig wäre er gewesen — noch gestern! Aber heute? ...

„Und wie kommt Kapelle dazu, den Vorschuß zu bezahlen“, stieß er heftig hervor. „Wie soll ich das auffassen ...?“

„So einfach — wie er es angeboten hat. Statt dem Russel sind wir ihm das Geld schuldig — weiter nichts.“

Altmann preßte die Lippen aneinander. Es wurde ihm schwer, immer unter einer Schuldenlast einherzugehen — noch schwerer aber war es ihm, mühsam Erspartes auf einen Ruck herzugeben! Es stand ja noch die Einrichtung bevor ... Wenn Karla an der Oper war, konnten sie nicht in möblierten Zimmern hausen! Außerdem Luise ... das Kind ... ein Mädchen ...

Ihm wurden die Schläfen feucht.

„Wo hast du den Scheck?“ fragte er kurz.

Sie lief ins Nebenzimmer, holte ihr Täschchen, gab ihm das gefaltete Blatt. Er versuchte, die Unterschrift zu entziffern — es gelang ihm nicht.

„Den Scheck nehme ich an mich. Du verlierst ihn noch.“