Karla setzte sich auf das Sofa und umschlang die Knie mit den Armen.

„Ich hätte wichtig mit dir zu sprechen, Ernst ...“

„Ja ... was ist ... was soll’s?“

Ein leiser Ärger stieg in ihr hoch. Was sie ihm zu sagen hatte, war doch mindestens so wichtig wie alles, was man ihm von dort schreiben konnte! Oder ...

Sie solle ihn jetzt nicht mit Fragen quälen. Er müsse Ruhe haben, überlegen können. Das Anerbieten, das ihm Russel gemacht habe, sei so verlockend, daß ...

Karla unterbrach. Es handelte sich nicht um Russel ... Was immer er anbieten mochte — sie blieb nicht.

Und weil sie das kalte, ironische Staunen in ihres Mannes Augen reizte, bullerte sie heraus, was sie langsam, bedeutsam hatte vorbringen wollen. Berlin bot ihr einen dreijährigen Vertrag, und Kapelle streckte ihr das Geld vor, um den Vorschuß an Russel zurückzuzahlen.

Altmann verfärbte sich. Alles in ihm empörte sich dagegen, daß ein Fremder, ein Dritter sich in Karlas Schicksal mengte, das er allein bisher geleitet hatte. Wie kam er dazu?

„Kapelle hat Beziehungen in Berlin ... welche, hat er mir nicht gesagt. Aber er hat diese Beziehungen angerufen, weil er sich für meine Stimme interessiert ... als Musiker interessiert ... Du bist kein Musiker .. Du weißt nicht, was das für mich heißt, noch ein Jahr unter diesen Verhältnissen zu singen ... keine Ahnung hast du! ...“

Karla fing an zu schluchzen. „Ich will so nicht weiter leben ... will nicht künstlerisch verkommen ... Durch Kapelle bietet sich mir das große Los ...“