Der letzte Nagel war in Karlas Wohnung eingeschlagen. Es sah alles ordentlich, entsetzlich neu und fertig aus.
Luise erklärte, man müßte die Geschwister mit Vicki zum Abendbrot laden, ebenso den Papa. Der Papa hatte mit an Ansehen gewonnen, seitdem Karla an der „Königlichen“ war. Und dann — er hatte den Bechstein geschickt für das Musikzimmer!
Pauline hatte Spitzen für die Schlaf- und Kinderzimmer gehäkelt, soo — — breit! Sie meinte, „sie hätte ja Zeit gehabt in den drei Jahren!“
So brannten denn eines Abends überall die schwerfälligen Gaskronen. Das grelle Licht tat eigentlich den Augen weh, aber Adele war der Meinung, an diesem ersten Empfangsabend sollte nicht gespart werden. Der Papa konnte sich auf die Art auch besser von der Gediegenheit der Einrichtung überzeugen. Das war was anderes als sein Sammelsurium in der Schillstraße, mit den Staubfängern, in Form von Kränzen, Schleifen und Kinkerlitzchen. Das waren Möbel, von denen noch Isoldchens Kinder ihren Nutzen haben konnten! Die waren eben nicht in irgend einer der neumodischen Einrichtungsausstellungen gekauft, sondern in einem soliden, bewährten Geschäft in der alten Jakobstraße, wo man sicher war, daß die Holzarten echt waren und die Stoffe Ewigkeitsdauer hatten.
Mit Rücksicht auf Fritz hatte man den Sonnabend zu der Einweihungsfeier gewählt. Er und Vicki brachten Blumen. Adele schleppte eine Palme an, die neben dem Bechstein ihren Platz finden sollte, Alwin Maurer brachte eine Radierung von einem Beethovenkopf, die er nach vieler Mühe irgendwo aufgestöbert hatte. Adele lächelte nachsichtig.
„Der Bechstein und die Radierung sind mir das Liebste in der Wohnung“, sagte Karla und drückte dem Schwager warm die Hand.
Luise und Adele fingen gerade an, ungeduldig zu werden, als der Papa erschien — in Frack und weißer Binde — sehr feierlich, aber zierlich und behende selbst in diesem Aufzug. Er hielt eine einzige langstielige Rose in der Hand. Seine Nüstern schnupperten in der Luft herum, die nach frischer Politur und neuen Stoffen roch.
Aber er sagte gar nichts. Nur seine lebhaften blauen Augen umschatteten sich melancholisch. Er war froh, den Frack angelegt zu haben — so würde Karla es ihm glauben, daß er noch etwas vorhatte, wenn er früher aufbrach.
Immerhin — das Essen war vorzüglich. Darauf verstanden sich die Altmannschen Damen! Altmann selbst war ein würdevoller, liebenswürdiger Wirt. Man sah ihm die Freude an, die es ihm machte, Gäste an seinem Tische zu haben. Das versöhnte den Papa fast. Karla saß zwischen dem Papa und Alwin Maurer wie an einem Hoteltisch — ohne jedes Verantwortungsgefühl. Aber sie freute sich, den Papa so elegant und jugendlich an ihrer Seite zu haben, und freute sich auch über den warmen Glanz in Alwin Maurers Augen.