Wie weiße Schneeflocken wirbelte der Wind sie durcheinander, bis sie auf die nassen Steine herabfielen und ein Auto über sie hinwegfuhr, sie mit dem trüben Wasser der Lachen überspritzte.

Nun sah Karla nichts mehr von ihnen und atmete erleichtert auf.

Der Papa sollte recht behalten — Altmanns Weizen blühte nicht in Berlin. Selbst Kommissionsrat Fuchs vermochte es nicht, Berliner Theaterleiter für Altmann zu gewinnen. Um seinen guten Willen zu zeigen, und sich „der König“, durch die er noch viel zu verdienen hoffte, angenehm zu machen, verschaffte Fuchs ihm ein paar Gastspiele an kleinen Provinzbühnen. Altmann sah bald, daß das alles keinen Zweck hatte und fühlte sich merkwürdigerweise der Bühne als Schauspieler entwachsen. Wie ein Kleinkinderspiel kam ihm das Theater vor, die Anweisungen des Spielleiters reizten ihn zu Widersprüchen, den Bitten seiner Mitspieler begegnete er mit einem Aufgebot von Gegengründen, die das Belangloseste zu einer Bedeutsamkeit stempelten, die die Bitten gar nicht gehabt hatten. Die jüngeren Leute verbesserte er gern, hielt ihnen Vorträge über die Sprechkunst, die seit den letzten Jahren so „schmählich“ vernachlässigt wurde — den älteren Kollegen trat er mit dem Besserwissertum seiner „langjährigen leitenden Stellung“ entgegen.

Die Gastspielmöglichkeiten wurden immer seltener — hörten schließlich ganz auf.

Luise schmerzte das sehr.

Bei Tisch kam der Groll manchmal zur Entladung, wenn Karla sich erkundigte, ob Fuchs „etwas gefunden“ hätte.

„Ich bin gar nicht so versessen darauf“, sagte Altmann. „Es ist ja doch nichts los ... wer schreibt denn heute noch eine anständige Rolle?“

„Liebe Karla — wenn Ernst Stimme hätte, dann brauchte er nicht auf eine Stellung zu warten. Dann brauchte er weder Talent zu haben noch die Erscheinung — dann würden ihm alle das Haus einrennen! Es ist wirklich nicht schwer, mit einer Stimme, wie du sie hast und wofür du doch gar nicht kannst, an einer Königlichen Bühne zu sein ...“