Die Mama war doch sehr wild! Warum lief sie davon und ließ das gute Essen stehen? Es hatte sie doch keiner fortgeschickt ... Tante Lis’ hatte so leise gesprochen ... die Mama aber, die schrie gleich los. Der Papa sah ganz traurig aus ...

Nun stand auch Altmann auf. Tief herabgezogen waren seine Mundwinkel. „Tja ... so geht es, Lis’! Wenn ich denke, daß ich Karla beigebracht habe, ‚Habt Dank‘ zu sagen ... das Elementarste! Sie stolperte über die Worte wie ein junges Füllen ... Stimme ... ja, gewiß, Stimme hatte sie immer ... köstlich jung, frischer als heute ... aber wer krähte nach ihr? ... Wer? ... Bitte, sage es mir ...“

„Das wissen wir ja, mein guter Ernst ... weiß sie auch, sie ist nur so unbeherrscht. Das mußt du ihr nicht übelnehmen. Es ist deiner ja auch gar nicht mehr würdig, dem Publikum was vorzumachen. Du kannst mehr, weit mehr! Du kannst Talente bilden. Karla ist der lebendige Beweis. Wir haben wohl das Lehrtalent gemeinsam, — nur, daß meine Begabung stets im Verborgenen geblüht hat, während du ... Wer wird nicht glücklich sein, beim Lehrer von Karla König Unterricht zu haben? ...“

Altmann blieb stehen und sah die Schwester betroffen an. Es war ganz still zwischen ihnen geworden — nur das Gaslicht surrte leise, und Schmerzchen kratzte mit dem Löffel das letzte Überbleibsel des Puddings auf.

„Unterricht? Hm ... ja ... du meinst? Das wäre allerdings eine Idee ... darüber müssen wir noch sprechen ... das ließe sich machen ... Was wohl Karla dazu sagt?“

Luise lächelte nachsichtig.

„Ja ... ja, natürlich ... Jedenfalls danke ich dir, Lis’, für die Anregung. Es geht nichts über eine kluge Frau ... wirklich ... nichts.“

Er hob Schmerzchen sacht an seine glattrasierte, bläulich schimmernde Wange und faßte Luise mit dankbarem Druck um die Schulter.

„Jetzt geht unsere kleine Isolde wohl schlafen, he?“

Er wußte nie recht was anzufangen mit dem Kinde — fast ebenso wenig wie der Großpapa, aber er verlangte nichts und hatte eine behutsame Art, es aufzuheben, auf den Schoß und auf die Erde zu setzen.